vonOTS
JUNI 24, 2026
Foto: GregorHartl.at
Das Sommergespräch 2026 der Apothekerkammer Oberösterreich widmete sich der Rolle der Apotheke am Beginn des Patientenpfades.
Unter dem Motto „Einfach starten – mit der Apotheke am Beginn des Patientenpfades“ lud die Apothekerkammer Oberösterreich zum traditionellen Sommergespräch 2026 in das Lentos Kunstmuseum in Linz. Gäste aus Politik, Gesundheitssystem, Wirtschaft und zahlreiche Apothekerinnen und Apotheker folgten der Einladung von Präsident Mag. pharm. Thomas W. Veitschegger und Vizepräsidentin Mag.a pharm. Monika Aichberger der Apothekerkammer Oberösterreich.
Im Mittelpunkt des Sommergesprächs 2026 stand die Frage, wie Apotheken noch stärker dazu beitragen können, dass Menschen mit bislang unerkannten chronischen Volkskrankheiten wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes einfacher den ersten Schritt für ihre eigene Gesundheit setzen können und frühzeitig zur medizinischen Abklärung zu einer Ärztin oder einem Arzt gelangen. In seiner Eröffnungsansprache spannte Präsident Veitschegger den Bogen weiter zur gesundheitspolitischen Reformagenda der Bundesregierung, die im Februar dieses Jahres vorgestellt wurde. Mehr Prävention, ein niederschwelligerer Zugang zum Gesundheitssystem und das Impfen in Apotheken sind darin zentrale Elemente. „Die Apotheken sind längst bereit“, betont Veitschegger, doch den konkreten politischen Willen zur Umsetzung vermisst er: „So hat die österreichische Bundesregierung beschlossen, das Impfen direkt in Apotheken zu erlauben. Diese Maßnahme soll ab 2027 den Zugang erleichtern, Wartezeiten verkürzen und die Durchimpfungsraten im Land deutlich erhöhen. Apotheken haben schon in Ausbildung investiert, Arbeitsgruppen gebildet und sich auf die neuen Herausforderungen vorbereitet, jedoch bisher waren wir von der Bundesregierung noch nicht zu Gesprächen eingeladen worden.“
Den Auftakt bildet eine Video-Keynote von LH-Stv.in Mag.a Christine Haberlander zum Thema „Gesundheit in Oberösterreich“: „Apotheken sind Orte sozialer Interaktion und Verlässlichkeit, die Beratung, Unterstützung und zielgruppengerechte Kommunikation bieten. Das sind zentrale Aspekte, die angesichts der demografischen Entwicklung weiter an Bedeutung gewinnen“, betont Haberlander und ergänzt: „Sie sind wichtige Impulsgeber:innen für Prävention, Gesundheitskompetenz und Eigenverantwortung.“
Im Anschluss diskutierten Expert:innen aus Apotheke, Medizin und Gesundheitssystem über die Rolle der Apotheke als erste Anlaufstelle für Gesundheitsthemen und als wichtiger Startpunkt moderner Gesundheitsversorgung. Gerade bei chronischen Volkskrankheiten ist es entscheidend, schon sehr früh mit der Versorgung zu starten. Viele Menschen haben zu diesem Zeitpunkt oft noch keine Beschwerden und wissen daher gar nicht, dass sie ein erhöhtes Risiko oder bereits auffällige Werte haben, die ärztlich abgeklärt werden müssen. Bei der frühzeitigen Sensibilisierung und dem Aufzeigen eines möglichen Abklärungsbedarfs übernehmen Apotheken eine wichtige Rolle: „Sie sind wohnortnah, flächendeckend verteilt und verfügen über lange Öffnungszeiten und hochqualifiziertes Personal. Dadurch erreichen sie Menschen, die ansonsten erst deutlich später zu einer ärztlichen Diagnose gekommen wären. Apotheken sind eine wichtige Erstanlaufstelle und damit auch oft der Beginn des Patientenpfades“, sagt Aichberger.
„Die Apotheken sind längst ein wichtiger und vertrauter Anlaufpunkt für die Menschen — das hat sich nicht zuletzt in der Pandemie eindrucksvoll gezeigt. Viele Menschen benötigen einfach gute Unterstützung, um den passenden Weg in den richtigen Versorgungspfad zu finden, wo ihnen rasch und wohnortnah geholfen werden kann. Apotheken sind Orte des Vertrauens, ideale Punkte für den initialen Einstieg und damit wesentlicher Teil und Partner der Gesundheitsversorgung“, ist auch Mag.a Sabine Glanznig in Vertretung von Mag.a Claudia Neumayer-Stickler, Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger und Leiterin des Referats für Gesundheitspolitik im ÖGB, überzeugt.
Ein zentrales Thema der Diskussion waren sogenannte Point-of-Care-Tests. Dazu zählen etwa Blutdruckmessungen, Lipidprofile, HbA1c-Messungen oder weitere standardisierte Tests, die in der Apotheke in dafür vorgesehenen Räumlichkeiten durchgeführt werden. „Sie können dazu beitragen, erste Hinweise auf mögliche gesundheitliche Risiken zu erhalten, und sind für viele Menschen somit ein wichtiger erster Schritt“, betont Aichberger. Die Apothekerkammer Oberösterreich plädiert dafür, dass Point-of-Care-Tests künftig als anerkannter Bestandteil der Versorgung verstanden und in weiterer Folge auch als Kassenleistung ermöglicht werden. Für eine patientennahe Risikofrüherkennung in der Apotheke spricht sich auch Dr. Christoph Heiserer, Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin in Steyr, aus: „Früh erkannte Erkrankungen können auch früher behandelt werden. Ich finde es begrüßenswert, dass Apotheken die Chance nutzen, Patient:innen zu finden, die nicht von selbst auf die Idee gekommen wären, eine Arztpraxis aufzusuchen. Oft sind Hausarztpraxen und Apotheken ohnehin im gleichen Gebäude untergebracht, und das sollten wir nutzen, um die Zusammenarbeit zu stärken und auszubauen.“
Bluthochdruck ist ein Beispiel, das zeigt, wie wichtig Früherkennung ist. „Viele Menschen fühlen sich völlig gesund, obwohl der Druck in den Gefäßen dauerhaft zu hoch ist. Aus Gesundheitsbefragungen wissen wir, dass 50 Prozent der über 60-Jährigen an Bluthochdruck leiden. Wir wissen auch, dass Hypertonie der Risikofaktor Nummer 1 für kardiovaskuläre Erkrankungen ist. Betroffene in Westeuropa sterben aufgrund dieser Erkrankung im Schnitt zwei bis drei Jahre früher“, sagt
Priv.-Doz. Dr. Thomas Weber, Präsident der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie, und weist auf die Bedeutung erster, für die Menschen einfach zugänglicher Gesundheitschecks als niederschwellige Angebote in Apotheken hin.
Glanznig betont, dass die Stärkung der Prävention ein Anliegen ist, das alle Akteure im Gesundheitswesen verbindet und Apotheken wichtige Hebel sein können, das Thema in den Alltag der Menschen zu bringen. „Die Finanzierung ist eine große Herausforderung, doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass man diesen Herausforderungen gemeinsam begegnen kann“, so Glanznig.
Aichberger hofft auf einfache Möglichkeiten, Präventionsleistungen im Kassensystem abzubilden, und wünscht sich, dass Apotheken rasch auch mit einer Anbindung an die elektronische Gesundheitsakte ELGA ein integrativer Bestandteil des Gesundheitssystems werden.
Heiserer weist auf die Bedeutung der Solidargemeinschaft hin und betont: „Prävention darf nicht vom sozialen Status oder dem Einkommen abhängig sein. Ich wünsche mir, dass Programme wie Therapie Aktiv ausgebaut werden und so etwa rechtzeitig auch zum Erkennen einer eingeschränkten Nierenfunktion beitragen können.“ Eine Zusammenarbeit mit den Apotheken sieht der Mediziner dabei als sehr wertvoll und unumgänglich.
Einig sind sich die Expert:innen auf dem Podium, dass Gesundheit mit einem ersten Schritt beginnt, und der kann einfach und niederschwellig in der Apotheke erfolgen. Aichberger blickt den nächsten Schritten hoffnungsvoll entgegen und ist der Meinung: „Wir sollten einfach starten, um dem System Kosten zu sparen und den Menschen zu mehr gesunden Lebensjahren zu verhelfen.“ „Die Apotheke steht sehr oft am Anfang des Patientenpfades, mitten im Alltag der Menschen. Unser Ziel ist es, diesen ersten Kontakt rascher für eine frühe Erkennung von Risiken für chronische Volkskrankheiten zu nutzen, im Gesundheitssystem zu verankern und langfristig Folgekosten zu senken“, resümiert Veitschegger abschließend.
Quelle: OTS