vonRedaktion Salzburg
JÄNNER 16, 2026
Wiener Linien
Drei Monate lang haben 46 Teilnehmer*innen aus 37 Haushalten im Rahmen der Wiener Linien Auto-Wette ihr eigenes Auto in die Garage gestellt und sind auf Öffis, Sharing-Angebote und Co. umgestiegen. Das Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur (BOKU) hat das Projekt wissenschaftlich begleitet und insgesamt 23.310 Wege und 300.673 zurückgelegte Kilometer von April bis inklusive Juli ausgewertet. Das sind die Ergebnisse:
Ohne eigenes Auto ist man mobiler – und kommt fast genauso rasch ans Ziel wie mit dem Auto. Die Teilnehmer*innen haben viele neue Mobilitätswege ausprobiert und dabei durchschnittlich täglich um fünf Prozent weiter entfernte Ziele erreicht als davor mit dem eigenen Auto – das entspricht zwei Kilometern. Dafür wurden im Durchschnitt aber nur drei Prozent mehr Zeit pro Tag aufgewendet, das entspricht viereinhalb Minuten. Das Vorurteil, dass man mit dem Auto in Wien schneller ans Ziel kommt, kann also entkräftet werden.
Während der Testphase haben die Teilnehmer*innen 42,6 Prozent ihrer Wege zu Fuß zurückgelegt, 19,7 Prozent mit den Öffis, 16,9 Prozent mit dem Fahrrad, 19 Prozent mit Leihautos (als Fahrer*in und Mitfahrer*in) oder Taxis und rund zwei Prozent sonstige Mobilitätsformen (wie z. B. Flugzeug, Schiff, etc.) genutzt. Damit haben die Teilnehmer*innen während der Auto-Wette mehr als 80 Prozent der Wege umweltfreundlich zurückgelegt, der Anteil aktiver Mobilität ist um sechs Prozentpunkte gestiegen und die Wege mit dem PKW sind um neun Prozentpunkte (etwa neun Kilometer täglich) gesunken.
Von Mai bis Juni wurden die meisten Kilometer täglich mit den Öffis zurückgelegt (20,4 Kilometer), gefolgt von Leihautos (als Fahrer*in oder Mitfahrer*in) sowie Taxis (18,1 Kilometer). 5,8 Kilometer wurden geradelt und 2 Kilometer zu Fuß bestritten. Zum Vergleich: Im Testzeitraum April wurden mit dem eigenen PKW 26,8 Kilometer zurückgelegt, mit den Öffis 14,0 Kilometer, 4,2 Kilometer mit dem Rad und 1,9 Kilometer zu Fuß. Der Anteil an Wegen mit dem PKW ist somit um neun Prozentpunkte gesunken. Dies bedeutet, dass sich die mit PKW zurückgelegten Kilometer um ein Drittel reduziert haben und die Teilnehmer*innen stattdessen diese Kilometer mit den Öffis oder dem Fahrrad absolviert haben. Der Juli als klassischer Urlaubsmonat wurde bewusst separat betrachtet. Auch in diesem Zeitraum zeigte sich ein weiterer Anstieg der Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Bemerkenswert war, dass rund zehn Prozent aller Wege mit den Öffis mehr als 140â?¯Kilometer lang waren.
Durch die Nutzung von umweltfreundlichen Fortbewegungsmitteln während der Auto-Wette konnten 5,5 Tonnen CO2 eingespart werden. Insgesamt konnte damit in drei Monaten so viel CO2 eingespart werden, wie ein kleines Wäldchen mit etwa 440 Bäumen in einem Jahr bindet.
Ohne eigenes Auto waren die Teilnehmer*innen auch sparsamer unterwegs. Berechnungen der BOKU zeigen, dass die tatsächlichen Mobilitätskosten mit eigenem Auto monatlich bei 425,20 Euro liegen und durch Mobilität ohne eigenes Auto um bis zu 40 Prozent reduziert werden können.
Teilnehmer*innen: Herausforderung liegt im ländlichen Raum
Zusätzlich zur quantitativen Analyse wurden 28 Haushalte auch qualitativ in Fokusgruppen und Einzelinterviews befragt. Dabei hat sich gezeigt, dass der Planungsaufwand für die Mobilität anfangs gestiegen ist. Routen und Alternativen zu finden, benötigt Zeit. Aber: Sobald dies erledigt ist, waren die neuen Gewohnheiten schnell etabliert. Als herausfordernd wurden vor allem ländliche Ziele außerhalb Wiens empfunden. Der Zeitaufwand mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln wurde dort im Gegensatz zum Auto als deutlich höher eingestuft.
Trotzdem möchten 15 der 28 befragten Haushalte das eigene Auto verkaufen oder haben es bereits verkauft. 13 der Haushalte dagegen sehen keine Möglichkeit, den Alltag ohne eigenes Auto zu bewältigen. Als Gründe geben sie an, dass sie regelmäßige Wege außerhalb Wiens oder kleine Kinder im Haushalt haben – oder die zu geringe Verfügbarkeit von Carsharing. Viele jedoch haben sich umgestellt und nutzen jetzt einen Mobilitätsmix.
Im Partnerbezirk Währing dagegen möchten nur fünf der befragten 14 Haushalte ihren PKW behalten – gleichzeitig geben die Teilnehmenden hier an, mit der Anbindung an den öffentlichen Verkehr sehr zufrieden zu sein.
„Bei dieser Wette haben alle gewonnen. Viele der Teilnehmer*innen haben ihr Mobilitätsverhalten sogar nachhaltig geändert und das eigene Auto verkauft. Es hat sich gezeigt wie viel auch ohne Auto-Schlüssel möglich ist und dass der eigene PKW in der Stadt nicht nötig ist. Neue Gewohnheiten haben sich etabliert und damit auch einen Beitrag fürs Klima geleistet“, sagt Alexandra Reinagl, Geschäftsführerin der Wiener Linien.
Und Silvia Nossek, Bezirksvorsteherin des Partnerbezirks Währing: „Wir wollten mit der Auto-Wette herausfinden, wie wir mehr Menschen motivieren können, ihre Mobilität ohne eigenes Auto zu organisieren. Mit den vorliegenden Ergebnissen gilt es nun ambitioniert weiterzuarbeiten – bei uns im Bezirk, in der Stadt, bei den Wiener Linien. Weil jedes Auto weniger dem Einzelnen Geld spart – und der Allgemeinheit Platz bringt: Platz für Bäume, Platz für Kinder, Platz für sicheres Zu-Fuß-Gehen und Radfahren.“
Eine gerechtere Verteilung des Raumes ist auch den Währinger Teilnehmenden der Auto-Wette ein großes Anliegen: Viele gaben in den Interviews an, dass dies einer der Gründe sei, weshalb sie sich für die Auto-Wette angemeldet hätten.
„Wir arbeiten in Wien intensiv daran, umweltfreundliche Mobilität zu stärken. Allein im vergangenen Jahr hat die Stadt Wien rund 20 Kilometer neue Radwege gebaut und zwei neue Straßenbahnlinien eröffnet. Die Auto-Wette hat bestätigt, dass man in Wien gut und schnell ohne eigenes Auto unterwegs sein kann“, ergänzt Gemeinderätin Nina Abrahamczik (SPÖ), Vorsitzende des Ausschusses für Klima, Umwelt, Demokratie und Personal.
Fast 3.000 Wiener*innen hatten sich im vergangenen Jänner für die Auto-Wette beworben. Im April haben die ausgewählten Teilnehmer*innen ihre Wege noch mit dem eigenen Auto getrackt, von Mai bis inklusive Juli haben sie ihre täglichen Wege ohne Privat-PKW aufgezeichnet. 27 Teilnehmer*innen waren männlich, 19 weiblich. 21 Teilnehmer*innen leben in Haushalten mit mehr als drei Personen, 13 Personen leben zu zweit, 12 Personen leben alleine. 40 Personen sind mit einem eigenen Auto pro Haushalt in die Auto-Wette gestartet, sechs Personen mit zwei oder mehr Autos pro Haushalt. Und 15 Personen haben einen Zweitwohnsitz, den sie regelmäßig aufsuchen.
Quelle: Stadt Wien