vonOTS
OKTOBER 26, 2026
Foto: Johann Kaiser
Architekt Johann Kaiser von Bauwerksbuch Kaiser fordert realistische Zeitpläne für die Mängelbehebung nach der Erstprüfung
Mit dem fertigen Bauwerksbuch beginnt für Eigentümer und Hausverwaltungen die nächste Aufgabe: dokumentierte Baugebrechen bearbeiten, Maßnahmen organisieren und deren Umsetzung nachverfolgen. Genau auf diese Phase bezieht sich die Kritik des Ziviltechnikers und gerichtlich beeideten Sachverständigen Arch. DI Johann Kaiser an zu kurzen Fristen.
„Das Bauwerksbuch macht vorhandenen Erhaltungsbedarf systematisch sichtbar. Danach müssen Hausverwaltungen die Befunde auswerten, Eigentümerentscheidungen vorbereiten und geeignete Handwerker finden. Dieser Aufwand muss bei der Planung der Behebung berücksichtigt werden“, erklärt Kaiser.
Wie groß die Aufgabe ist, zeigt eine interne Auswertung der gespeicherten Daten von Bauwerksbuch Kaiser https://portal.bauwerk24.at/portal/.
Pro 1.000 Objekte ergibt die Auswertung 34.100 kategorisierte Befundpositionen und rund 750 Objekte mit kleineren Fassadenrissen. Das sind Auswertungen aus dem eigenen Bestand und entsprechen nicht automatisch einem Reparaturauftrag.
1,84 Millionen Handwerker-Personentage sind notwendig, um diese „Mammutaufgabe“ zu bewältigen, was Berechnungen von Arch. Kaiser zur Folge hat, dass gut 700 Vollzeitarbeitskräfte, bei ohnedies vorhandenem Personalmangel, fehlen.
Kaiser fordert deshalb eine fachlich begründete Priorisierung: Bei akuter Gefährdung müssen Sicherungsmaßnahmen unverzüglich erfolgen.
Für die weitere Instandsetzung braucht es objektbezogene, umsetzbare Zeitpläne. Planbare Erhaltungsarbeiten sollen in längerfristige Programme aufgenommen werden können, soweit dies technisch und rechtlich vertretbar ist, denn ab Übermittlung des BAUWERKSBUCHS beginnt die Haftung für den Eigentümer oder dessen Hausverwalter.
Zusätzlich sollten Bauwerksbücher Arbeiten hervorheben, deren Aufschub voraussichtlich höhere Folgekosten verursacht. Dazu können z. B. viele verteilte wasserführende Fassadenrisse oder fortschreitende Korrosion an Blecheindeckungen zählen. Eine frühe Reparatur kann verhindern, dass Feuchtigkeit tiefer eindringt und umfangreichere Sanierungen notwendig werden.
„Eine Frist allein repariert kein Haus. Das Bauwerksbuch muss zu einem nachvollziehbaren und tatsächlich umsetzbaren Erhaltungsplan führen“, so Kaiser.
Quelle: OTS