Österreich: Mauthausen Komitee Österreich eröffnete neuen Gedenkort im ehemaligen KZ Gunskirchen

vonOTS
OKTOBER 06, 2026

Foto: MKÖ/Martin Jordan

Am 6. Oktober 2026 eröffnete das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) in Gunskirchen einen neuen Gedenkort. Unter den Gästen waren der KZ-Überlebende Avigdor Neumann, der Zweite Nationalratspräsident Peter Haubner, Vizekanzler Andreas Babler und Charlotte Herman, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz. Ermöglicht wurde das zentrale Erinnerungsprojekt unter anderem durch das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, das Land Oberösterreich, die KZ-Gedenkstätte Mauthausen, den Zukunftsfonds und den Nationalfonds der Republik Österreich sowie zahlreiche Spenden und Sponsoringbeiträge. Der Gedenkort macht das Leiden der Zehntausenden Häftlinge des KZ-Außenlagers sichtbar und verbindet den historischen Erinnerungsort mit einem digitalen Bildungs- und Vermittlungsangebot.

Mehr als 80 Jahre nach den Verbrechen des Nationalsozialismus wurde an einem lange verdrängten Ort ein neuer Raum des Erinnerns eröffnet: Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) präsentierte am 6. Oktober 2026 den neuen Gedenkort Gunskirchen. Er erinnert an die Zehntausenden Menschen – fast ausschließlich Jüdinnen und Juden –, die in den letzten Kriegswochen im KZ-Außenlager Gunskirchen interniert und unter unmenschlichen Bedingungen dem Sterben ausgesetzt waren. Die Eröffnung erfolgte gemeinsam mit KZ-Überlebenden und Zeitzeug*innen sowie mit Vertreter*innen der Republik Österreich, des MKÖ und weiterer Gedenkorganisationen. Der Gedenkort macht die Geschichte des KZ-Außenlagers, die Spuren am historischen Ort und die Stimmen der Überlebenden umfassend sichtbar und verbindet klassisches Gedenken mit digitalen und interaktiven Elementen.

Ein lange übersehener Ort wird sichtbar
Das KZ-Außenlager Gunskirchen galt als eines der grausamsten Lager im System Mauthausen. Ab März 1945 wurden vor allem jüdische Häftlinge, viele von ihnen aus Ungarn, nach Todesmärschen in das Lager gebracht. Ohne ausreichende Versorgung, medizinische Betreuung oder Perspektive waren sie dort dem Sterben ausgesetzt. Zeitzeug*innen beschrieben Gunskirchen als „Hölle auf Erden“. Trotz dieser historischen Bedeutung blieb der Ort über Jahrzehnte weitgehend unsichtbar. Einzelne Gedenksteine und Tafeln erinnerten zwar an das Geschehen, ein umfassender Gedenkort fehlte jedoch bislang.

Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich: „Mit dem Gedenkort Gunskirchen holen wir ein verdrängtes Kapitel der Geschichte ins öffentliche Bewusstsein zurück. Wir machen das sichtbar, was lange unsichtbar war – und übernehmen die Verantwortung für das Erinnern. Gerade für junge Menschen ist es entscheidend, Geschichte an authentischen Orten begreifen zu können.“

Gedenkort am historischen Gelände eröffnet
Für den Gedenkort erwarb das MKÖ einen 4.000 Quadratmeter großen, abgetrennten Teil des denkmalgeschützten ehemaligen Lagergeländes. Sechs dezent in das Waldstück eingebundene Glasstelen vermitteln Basisinformationen und behandeln fünf Themenbereiche: den Weg nach Gunskirchen, das Lager, die „Hölle im Wald“, die Befreiung und die Entwicklungen nach 1945. Über QR-Codes gelangen Besucher*innen zum virtuellen Gedenkort mit vertiefenden Texten, Bildern, Videos und Audiodateien. Zum Start umfasst das digitale Angebot mehr als 40 Videobeiträge von Zeitzeug*innen und Überlebenden sowie Biografien und von prominenten Persönlichkeiten gelesene Texte von Überlebenden des KZ Gunskirchen. Die Inhalte sollen laufend erweitert und mehrsprachig angeboten werden.

Das Angebot richtet sich an Einzelbesucher*innen ebenso wie an Gruppen und wird künftig ein zentraler Bestandteil der Bildungs- und Vermittlungsarbeit des MKÖ sein – insbesondere für Jugendliche.

Hochrangige Gäste und gemeinsamer Eröffnungsakt
Die Initiative für den Gedenkort ging auch auf das Engagement von Überlebenden zurück, darunter Daniel Chanoch, der das Lager selbst erlebt hatte. Mit der Eröffnung wurde diese Erfahrung dauerhaft im öffentlichen Raum verankert – als Mahnung und als Auftrag für die Zukunft.

MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi begrüßte die Gäste und präsentierte den Gedenkort. Grußworte sprachen Peter Haubner, Zweiter Präsident des Nationalrates, Vizekanzler Andreas Babler und Charlotte Herman, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz. Der KZ-Überlebende Avigdor Neumann erinnerte in seiner Ansprache an das KZ-Außenlager Gunskirchen. Musikalisch gestaltet wurde die Eröffnung von Christoph Meier mit den Kompositionen „Primo“ und „Walderinnerungen“; Merlin Großmann sprach die dazugehörigen Texte. Nach dem Totengebet und dem Gesang erfolgte der symbolische Eröffnungsakt gemeinsam mit dem KZ-Überlebenden Avigdor Neumann, der Witwe von Daniel Chanoch, Rachel Chanoch, sowie Vertreter*innen der Republik Österreich und des MKÖ. Anschließend führten Vermittler*innen des MKÖ, Schüler*innen und Expert*innen durch die Themenstationen.

Breite Unterstützung für ein zentrales Erinnerungsprojekt
Die Umsetzung des Gedenkorts wurde vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, vom Land Oberösterreich – Direktion Kultur und Gesellschaft, vom Zukunftsfonds der Republik Österreich, vom Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, von der KZ-Gedenkstätte Mauthausen sowie von der Arbeiterkammer Oberösterreich unterstützt. Zu den weiteren Förderern zählt die Michael & Sarah Marton Family Foundation. Zahlreiche private Spender*innen trugen wesentlich zur Realisierung bei. Das Projekt ist damit ein gemeinsamer Beitrag dazu, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten und an kommende Generationen weiterzugeben.

Dank der großzügigen Unterstützung zahlreicher Fördergeber*innen, Sponsor*innen und Spender*innen konnte der Gedenkort Gunskirchen in einem ersten Schritt verwirklicht werden. Um diesen Ort des Erinnerns und Lernens langfristig zu erhalten und weiterzuentwickeln, ist das Projekt auch künftig auf Unterstützung angewiesen. Weitere Beiträge ermöglichen den Ausbau von Bildungsangeboten, die Weiterentwicklung digitaler Inhalte sowie die nachhaltige Vermittlung der Geschichte des ehemaligen Lagers Gunskirchen. Jede Spende hilft, die Erinnerung an die Opfer zu bewahren und historisches Lernen für kommende Generationen zu sichern.

Mauthausen Komitee Österreich
IBAN: AT12 1400 0009 1004 2017

Jeder Beitrag hilft. Spenden sind steuerlich absetzbar.

Quelle: OTS

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