vonRedaktion International
APRIL 17, 2026
Verkehr bei Quartier Belvedere
Ob durch falsch geparkte Autos, durch Autos, die unmittelbar vor der Bim abbiegen wollen oder Busse, die nicht aus der Haltestelle kommen und sich hinter Autos einreihen müssen: Trotz bereits zahlreich gesetzter Maßnahmen werden Öffis in Wien ausgebremst oder stehen im Stau.
Mit dem Grundsatzbeschluss Mitte Februar im Gemeinderat haben Stadt Wien und Wiener Linien eine neue Beschleunigungsoffensive für Bus und Bim gestartet, um genau diesen Problemen und Ärgernissen entgegenzuwirken. Unter dem Motto „Mehr Tempo für Bus und Bim“ werden nun in einem großangelegten, dienststellen- und betriebszweigübergreifenden Programm 29 Straßenbahn- und 135 Autobuslinien genau unter die Lupe genommen, mögliche Beschleunigungspotenziale erhoben und entsprechende Maßnahmen umgesetzt. Busse und Straßenbahnen sollen nach Möglichkeit nur mehr an der Haltestelle halten. Mit den ersten großen Maßnahmen wird nun gestartet, konkret bei der Linie D, die auf fast zwölf Kilometern von der Absberggasse in Favoriten bis Nußdorf in Döbling fährt und täglich rund 64.000 Fahrgäste befördert.
Wien gilt mit seinem engmaschigen Netz, dichten Intervallen und hoher Zuverlässigkeit international als Vorbild im öffentlichen Verkehr. Mit der neuen Beschleunigungsoffensive wird nun der nächste Qualitäts- und Effizienzschritt gesetzt. „Wir werden die historische Chance nützen, dass alle Verkehrsagenden in einem Ressort gebündelt sind und wir dadurch zielgerichtet, mit kurzen Abstimmungswegen und umsetzungsstark agieren können. Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und den Wiener Linien funktioniert sehr gut und gemeinsam werden wir die Öffis in dieser Legislaturperiode maximal beschleunigen“, so Mobilitäts- und Öffi-Stadträtin Ulli Sima.
Die Wiener Linien investieren künftig zwei Millionen Euro pro Jahr, um die Öffis auf die Überholspur zu bringen. Dazu werden etwa Ampeln im Sinne der Öffis geschalten, wie beispielsweise nach dem bereits umgesetzten Modell bei der Linie O in der Fasanstraße, wo die Straßenbahn den Landstraßer Gürtel nun rascher queren kann. Weiters werden Parkspuren an bekannten Falschparker*innen-Hotspots gegen breitere Gehsteige und Begrünungen getauscht. Auf den Gleisen befindliche Abbiegespuren oder Fahrspuren für PKWs werden entfernt, damit der Bim eigene Fahrstreifen zur Verfügung stehen und sie schneller vorankommt.
1. Für die Linien 46 und 49 wurden Maßnahmen am Gürtel umgesetzt: Wenn Straßenbahnen früher die Grünphase verpassten, mussten sie bis zu 1,5 Minuten warten, bevor sie den Gürtel queren konnten. Durch eine Verlängerung der Grünphase wurde eine deutliche Verbesserung der Situation erreicht.
2. In der Thaliastraße wurden im Rahmen der Umgestaltung der zentralen Einkaufsstraße in Ottakring die (Problem-) Haltestellen neugestaltet, sodass Straßenbahnen der Linie 46 die Pulkführung vor den PKWs übernehmen und nicht mehr von PKWs blockiert werden. Die Bim musste oft eine ganze Ampelphase warten, weil einzelne PKWs sie von der Einfahrt in die Haltestelle abgehalten haben. Nun fährt die Straßenbahn, die bis zu 200 Menschen befördert, voran, während PKWs sich dahinter einreihen.
3. Auch eine Bevorrangung für die Linie 2 auf der Marienbrücke wurde bereits umgesetzt.
4. Eigene Spuren für Öffis sind ebenso zentrales Anliegen, so wurde für die Linie 24A in der Breitenleer Straße zwischen Kagraner Platz und Zwerchäckerweg in beiden Fahrtrichtungen eine Busspur errichtet. Diese Busspuren haben je Fahrtrichtung eine Länge von über einem Kilometer und lassen diejenigen, die klimafreundlich unterwegs sind, schneller ans Ziel kommen.
5. Die Abbiegerelationen für PKWs werden ebenfalls analysiert: Bei der neu geschaffenen Linie 12 wurde z.B. im Bereich Vorgartenstraße/Lassallestraße eine Abbiegespur zwischen die Gleise der Straßenbahn gelegt. So wird der Straßenraum optimal genutzt und die Bim nicht durch PKWs, die links abbiegen wollen, behindert.
6. Öffi-Blockierer-Hotspots entschärfen
Zentral ist die weitere Beseitigung neuralgischer Öffi-Blockierer-Hotspots: Hier zeigen Maßnahmen, wie in der Kreuzgasse im 18. Bezirk oder in der Camillo-Sitte-Gasse im 15. Bezirk, bereits Wirkung. Statt Falschparker*innen finden sich in der Camillo-Sitte-Gasse nun Begrünung und breitere Gehsteige für eine bessere Lebensqualität. Die reine Beton- und Asphaltstraße wurde entsiegelt und mit 20 Hochsträuchern begrünt. Insgesamt 500 m² wurden umgebaut und größtenteils durch Grünflächen ersetzt, ergänzt durch einen Trinkbrunnen und vier Sitzbänke. Bewährt haben sich bauliche Umgestaltungsmaßnahmen auch in Wien Währing, wie z.B. beim Hotspot Kreuzgasse. Die Anzahl von falsch abgestellten PKWs konnte dort massiv reduziert werden. So gab es 2020 im 18. Bezirk noch 363 falsch abgestellte Autos, im Jahr 2025 konnte dies auf 243 Vorfälle reduziert werden. Ein Rückgang von 33 Prozent. 2010 gab es in ganz Wien noch 3.600 Öffi-Verparker*innen, in den vergangenen Jahren hat sich die Zahl dank konsequenter Maßnahmen bei rund 1.500 eingependelt – eine Reduktion um 60 Prozent.
Im Zuge des neuen Beschleunigungspakets werden Straßenbahn- und Autobuslinien hinsichtlich weiterer Verbesserungen analysiert. Und genau dort werden dann gezielt Maßnahmen gesetzt. In den letzten Jahren wurden viele Einzelmaßnahmen gesetzt, jetzt liegt der Fokus auf einer Linie als Ganzes. Und zwar auf besonders langen Linien oder Linien mit dichten Intervallen, wie z.B. der Linie D, die den Anfang macht.
„Mit der Beschleunigungsoffensive erhöhen wir nicht nur die Qualität für unsere Fahrgäste, sondern sparen dadurch auch mittel- und langfristig Betriebskosten ein“, sagt Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl. „Damit wird die „Netz erst recht!“-Initiative ausgeweitet, denn ein stabiles, verlässliches Betriebsnetz besteht sowohl aus moderner Infrastruktur, als auch einem attraktiven Angebot.“
Die Linie D ist die erste Linie, auf der Beschleunigungsmaßnahmen umgesetzt werden. Auf der ca. zwölf Kilometer langen Straßenbahnstrecke quer durch fünf Bezirke wurde einiges an Beschleunigungspotenzial erhoben. Insgesamt sollen über 20 Maßnahmen umgesetzt werden, um die Linie schneller und zuverlässiger zu machen. Die zentralen Punkte, die gemeinsam mit Bezirken und Magistraten umgesetzt werden:
1. Die Ampeln an den Kreuzungen Canettistraße/Arsenalstraße, Schottenring/Börsegasse, Schlickplatz/Maria-Theresien-Straße und Schlickplatz/Hörlgasse/Türkenstraße werden für Öffis auf grün geschalten. Diese Maßnahmen tragen unter anderem dazu bei, dass die Linie D rasch den Ring queren kann.
2. In der Goldeggasse im 4. Bezirk wird eine Einbahn in Richtung Prinz-Eugen-Straße errichtet, damit PKWs nicht mehr links in die Prinz-Eugen-Straße einbiegen und so die Bim ausbremsen.
3. In der Prinz-Eugen-Straße fällt zwischen Goldeggasse und Weyringergasse die Parkspur weg. So werden PKWs früher von den Gleisen getrennt und können rascher abbiegen, was für ein flüssigeres Vorankommen für PKWs und Straßenbahnen sorgt.
Durch das Bündel von über 20 Maßnahmen soll die Linie D um bis zu drei Minuten pro Fahrtrichtung beschleunigt werden, in Summe also bis zu sechs Minuten. Eine spürbare Zeitersparnis für die Öffi-Fahrgäste.
Die Wiener Linien investieren künftig zwei Millionen Euro pro Jahr, um die Öffis auf die Überholspur zu bringen. Bereits 2032 wird sich die jährliche Investition gerechnet haben. Denn mit den Beschleunigungsmaßnahmen kommen Fahrgäste nicht nur schneller und zuverlässiger ans Ziel, sie bringen auch Einsparungseffekte mit sich. Erhöht man die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit auf einer langen Linie um nur ein einziges km/h, bewirkt das bereits, dass ein Fahrzeug weniger benötigt wird, um die gleiche Öffi-Leistung anbieten zu können.
Nach der Linie D wird das Beschleunigungspotenzial auf ähnlich langen und dichten Linien erhoben, wie z.B. bei den Linien 1, 2, 6, 11, 60, 71, oder O. Beim Bus stehen unter anderem die Linien 10A und 66A als Erstes auf der Agenda.
Quelle: Stadt Wien