Österreich: Titanumformung bei moderaten Temperaturen spart Energie und Ressourcen

vonOTS
JULI 23, 2026

Foto: AIT/Johannes Zinner

Foto: AIT/Johannes Zinner

AIT Impact Stories: Forschung, die wirkt – für eine effiziente Produktion

Das leichte und dennoch sehr feste Metall Titan ist in der Luftfahrt unverzichtbar. Allerdings gilt die Umformung der häufig eingesetzten Legierung (die sogenannte a-ß-Titanlegierung Ti-6Al-4V) als besonders anspruchsvoll. Konventionelle Verfahren sind energieintensiv und komplex – beim sogenannten „Superplastischen Umformen“ (SPF) werden sehr hohe Temperaturen (z. B. 840–930 °C für Ti-6Al-4V) und niedrige Umformgeschwindigkeiten benötigt. Zudem kann sich bei langer Hochtemperaturexposition an der Luft eine spröde, sauerstoffreiche „a-case“-Schicht bilden, die anschließend aufwendig entfernt werden muss.

Am LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen des AIT wurde nun ein neuartiges Heißtiefziehverfahren entwickelt, das zeigt, dass a-ß-Titanbleche bei Temperaturen unter 500 °C ausgezeichnet tiefziehfähig sind. Das ist für die Praxis ein entscheidender Hebel: Bei diesen Temperaturen können herkömmliche Warmarbeitsstähle als Umformwerkzeuge eingesetzt werden – anstelle der teuren Nickelbasislegierungen, die sonst für deutlich höhere Prozesstemperaturen erforderlich wären. Da eine isotherme Umformung bei 500 °C oder darunter nicht erfolgreich ist, setzt das Verfahren auf eine Vorwärmung des Blechs (unterhalb der SPF-Temperatur) und die anschließende Umformung in der Presse. Der wesentliche Vorteil gegenüber etablierten Verfahren liegt in den dramatisch verkürzten Umformzeiten, die deutlich schnellere Taktzeiten und damit eine wesentlich höhere Produktivität ermöglichen.

Energieeinsparung durch deutlich niedrigere Temperaturen

Die Leistungsfähigkeit dieses Verfahrens wurde entlang konkreter Umformergebnisse belegt: Bereits 2022 gelang die Umformung eines Testbauteils mit 44 mm Tiefe. Durch weitere Optimierungen wurde eine Zieh-Tiefe von 68,5 mm erreicht. Gleichzeitig konnten Vorwärmzeit, Vorwärmtemperatur und Tiefziehtemperatur weiter reduziert werden. Tests mit Ti-6Al-4V-Blechen unterschiedlicher Oberflächenbeschaffenheit – bereitgestellt durch den Industriepartner voestalpine BÖHLER Bleche GmbH & Co KG – zeigten eine hervorragende Reproduzierbarkeit. Besonders relevant ist, dass das Verfahren auch mit raueren Oberflächen funktioniert und dadurch den Schleifaufwand reduziert.

Auch die Bauteileigenschaften unterstreichen den technologischen Sprung: Eine Bruchdehnung von über zehn Prozent wurde ohne zusätzliche Wärmebehandlung nach dem Tiefziehprozess erreicht. Zudem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass mehrstufige Umformprozesse künftig ohne Zwischenwärmebehandlung möglich sind – erste zweistufige Versuche waren bereits erfolgreich. Ein weiterer Vorteil: An der Bauteiloberfläche zeigt sich keine spröde a-case-Schicht. Dies wird mit der vergleichsweise kurzen Hochtemperaturexposition in Zusammenhang gebracht. Für das Verfahren wurde bereits ein österreichisches Patent erteilt, eine internationale Patentanmeldung läuft. Damit ist die Innovation auch strategisch abgesichert – als Grundlage, um die Titanumformung bei moderaten Temperaturen ressourcenschonend in Richtung industrieller Anwendung weiter zu etablieren.

AIT ist Brücke zwischen Wissenschaft und Innovation

Die Fähigkeit, neue Erkenntnisse rasch in marktfähige Technologien und anwendbare Lösungen zu überführen, wird zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Europa. An dieser Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Technologie und Anwendung kommt der angewandten Forschung am AIT Austrian Institute of Technology eine zentrale Rolle zu. Österreichs größte Research and Technology Organisation orientiert sich bei seiner Forschung eng an den Bedürfnissen der Industrie und an aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Forschung des AIT wirkt und schafft Lösungen – für Unternehmen, die Gesellschaft und letztlich für uns alle.

AIT Impact Report

Der AIT Impact Report 2026 zeigt anhand von rund 30 Beispielen, wie das AIT gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand Forschung in konkrete Lösungen übersetzt. Die vorgestellten Projekte reichen von der Digitalisierung industrieller Prozesse über resiliente Infrastruktur und nachhaltige Energie- und Industriesysteme bis hin zu Gesundheit, Mobilität, Sicherheit und Kreislaufwirtschaft.

Der AIT Impact Report 2026 steht online zur Verfügung: www.ait.ac.at/impact-report

Über das AIT

Quelle: OTS

Mehr Nachrichten aus

Österreich