vonOTS
APRIL 03, 2026
Foto: APG
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Foto: APG / infotainment gerald fürst
APG-Factbox: Die Versorgungssicherheit Österreichs konnte im Februar nur durch Reservekraftwerke und Stromimporte aufrechterhalten werden.
Der Winter 2025/26 war einer der trübsten seit etlichen Jahren, wobei zwischen Oktober und Februar statistisch gesehen an jedem zweiten Tag Dunkelflaute herrschte, somit Wind und Sonne nur geringe Mengen an Strom lieferten und Flüsse aufgrund Schneebindung wenig Wasser führten. Dies brachte das Stromsystem in Österreich an seine Grenzen.
Versorgungssicherheit dank Stromimporte und Gaskraftwerke
Auf Basis der Import-/Exportfahrpläne ergab sich im Februar in Österreich (Regelzone APG*) ein Importbedarf in der Höhe von 997 GWh (+ 20,4 Prozent gegenüber 828 GWh im Februar 2025), wobei an nur zwei Tagen bilanziell Strom ins Ausland exportiert werden konnte – ein Hinweis auf die andauernde Versorgungslücke.
Neben Stromimporten war bei Netzengpässen auch der Einsatz von Reservekraftwerken im Zuge der Netzreserve erforderlich, um die Versorgungssicherheit Österreichs sicherzustellen. An erneuerbarer Produktion abgeregelt werden mussten insgesamt 350 MWh, wobei konkret Laufwasser von dieser Abregelung betroffen war. Die gesamten Redispatch-Kosten lagen im Monat bei 2,6 Mio. Euro, mit kumuliert 6,4 Mio. Euro bisher in diesem Jahr (Vergleich: 8,3 Mio. Euro im Jänner und Februar 2025).
„Die sogenannte Dunkelflaute machte sich im Februar wie auch bereits in den vorangegangenen Wintermonaten stark bemerkbar, was sich in einem eindeutigen Import-Saldo widerspiegelte. Am 1. Februar wurde mit einem Import-Saldo in der Höhe von 106 GWh sogar ein neues historisches Tagesmaximum erreicht. Diese Entwicklung unterstreicht einmal mehr einerseits das Erfordernis von Stromimporten in den Phasen der Dunkelflaute und andererseits die zentrale Rolle von Gaskraftwerken in der Absicherung der heimischen Stromversorgung“ sagt Gerhard Christiner, Vorstandssprecher von Austrian Power Grid (APG).
„Nur“ etwa 64 Prozent Bedarfsdeckung durch Erneuerbare
Die erneuerbare Produktion ist im Februar im Vergleich zum Vorjahr zwar um 26 Prozent gestiegen, doch vor dem Hintergrund des um zirka 15 Prozent erhöhten Stromverbrauchs** (KW 6-9) deckten die erneuerbaren Energien trotz Produktionszuwächse lediglich rund 64 Prozent des Bedarfs – ein deutlicher Hinweis auf die hohe Volatilität der jeweiligen Erzeugungsarten.
Haupttreiber der Erneuerbaren Erzeugung war im Februar die Wasserkraft, deren Erzeugung dank hoher Niederschlagsmengen um ungefähr 44 Prozent zulegte. Auch die Windkraft verzeichnete ein Plus von zirka 12 Prozent und erreichte Mitte Februar mit einer außergewöhnlich starken Windflanke, die zur Lastdeckung genutzt werden konnte, einen Rekordwert. Aufgrund der geringen Sonneneinstrahlung ging die Photovoltaik-Erzeugung im trüben Februar hingegen um knapp 40 Prozent im Vorjahresvergleich zurück, was wiederum zu einer Reduktion des Stromeigenverbrauchs bei privaten Haushalten und somit zu einem erhöhten Bezug von Strom aus dem übergeordneten Netz dieser Verbraucher führte.
Ausbau der Netzinfrastruktur bleibt zentral
Aktuell reichen die bestehenden Netzkapazitäten nicht für die erwünschten Stromimporte aus. Dies unterstreicht die Bedeutung des Netzausbaus als wesentlicher Hebel dafür, um auch künftig ausreichend Strom aus dem Ausland importieren zu können.
„Der rasche Ausbau der Netzinfrastruktur ist der Schlüsselfaktor, um nachhaltig preisgünstigen Strom für Österreichs Wirtschaft und Industrie verfügbar zu machen, die hohe Qualität von Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die Erneuerbaren energiewirtschaftlich effizient managebar zu machen. Österreich braucht weiters eine gesamtsystemische energiewirtschaftliche Planung und Umsetzung inklusive einer Kraftwerksstrategie. Und darüber hinaus ist die Digitalisierung aller Akteure des Energiesystems sowie der Ausbau der Speicher von höchster Priorität. Nur so werden in Zukunft dargebotsabhängige Produktionsschwankungen der Erneuerbaren volkswirtschaftlich und energiewirtschaftlich effizient managebar. Dies ist eine elementare Voraussetzung für einen starken Wirtschafts- und Industriestandort“ betont Christiner.
Energieaustausch innerhalb Österreichs
Die Bundesländer Tirol (301 GWh) und Salzburg (250 GWh) entnahmen im Februar am meisten Strom aus dem Netz. Niederösterreich (203 GWh) und Vorarlberg (191 GWh) waren die größten Einspeiser innerhalb Österreichs.
* Die Regelzone APG umfasst ganz Österreich mit Ausnahme je eines Korridors in Vorarlberg und Tirol.
** Dies ist der Strombezug aus dem öffentlichen Netz (inkl. Netzverluste, ohne Pumpstrom) in der Regelzone APG. Darin ist der Verbrauch, der durch eigenproduzierten PV-Strom gedeckt wird, nicht enthalten.
Über Austrian Power Grid (APG)
Als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber verantwortet Austrian Power Grid (APG) die sichere Stromversorgung Österreichs. Mit unserer leistungsstarken und digitalen Strominfrastruktur, sowie der Anwendung von State-of-the-art-Technologien integrieren wir die erneuerbaren Energien und reduzieren somit die Importabhängigkeit, sind Plattform für den Strommarkt, schaffen Zugang zu preisgünstigem Strom und bilden so die Basis für einen versorgungssicheren sowie zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensstandort. Das APG-Netz erstreckt sich auf einer Trassenlänge von etwa 3.500 km, welches das Unternehmen mit einem Team von rund 1.000 Spezialist:innen betreibt, instand hält und laufend den steigenden Anforderungen der Elektrifizierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie anpasst. Über die Steuerzentrale in Wien wird ein Großteil der insgesamt 67 Umspannwerke, die in ganz Österreich verteilt sind, remote betrieben. Auch 2025 lag die Versorgungssicherheit, dank der engagierten Mitarbeiter:innen, bei 99,99 Prozent und somit im weltweiten Spitzenfeld. Unsere Investitionen in Höhe von 680 Millionen Euro 2026 (2025:595 Mio., 2024: 440 Mio., 2023: 490 Mio. Euro) sind Wirtschaftsmotor und wesentlicher Baustein für die Erreichung der Energieziele Österreichs. Insgesamt wird APG bis 2034 rund 9 Milliarden Euro in den Netzaus- und Umbau investieren.
Quelle: OTS