Tirol knackt 60-Prozent-Marke bei erneuerbarer Energie

vonRedaktion International
JÄNNER 24, 2026

Tirol

Deutliche Steigerung im 20-Jahres-Vergleich

Tirol knackt beim Anteil erneuerbarer Energie am Endenergiebedarf erstmals die 60-Prozent-Marke. Das zeigen die aktuellen Zahlen der Statistik Austria (nach EU-Systematik). „Wir haben auf unserem Weg in die Energieautonomie und beim Ausbau der Erneuerbaren schon viel erreicht. Blickt man 20 Jahre zurück, so hat sich der Anteil der erneuerbaren Energie am Endenergiebedarf deutlich erhöht – damals waren es 37 Prozent. Heute beträgt der Anteil am Endenergieeinsatz 60,4 Prozent. Wir kehren Öl, Gas und Kohle zunehmend den Rücken“, freut sich LHStv Josef Geisler anlässlich des Internationalen Tages der sauberen Energie am 26. Jänner und betont: „Jetzt heißt es dranbleiben, damit wir unser Ziel bis 2050 erreichen. Denn damit machen wir uns einerseits unabhängiger und leisten andererseits einen wertvollen Beitrag zur heimischen Wertschöpfung und zum Klimaschutz.“

Bis 2050 will Tirol den Energiebedarf im ganzen Land aus erneuerbaren Energiequellen – wie beispielsweise Wasser, Sonne, Biomasse, Umweltwärme und auch Wind – erzeugen und sich unabhängig von Importen aus dem Ausland machen. Gleichzeitig soll die Energieeffizienz massiv gesteigert und somit weniger Energie eingesetzt werden. So ist es in der Energiestrategie „Tirol 2050 energieautonom“ des Landes Tirol festgelegt.

Sinkender Energieverbrauch trotz steigender Bevölkerungszahl

Auch Klimaschutzlandesrat René Zumtobel zeigt sich erfreut über den hohen Anteil erneuerbarer Energien in Tirol und verweist anlässlich des Internationalen Tages der sauberen Energie auf die Tiroler Nachhaltigkeits- und Klimastrategie als wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende: „Sowohl bei ‚Tirol 2050 energieautonom‘ als auch bei der Tiroler Nachhaltigkeits- und Klimastrategie wird klar: Wir müssen nicht nur den Anteil von klimafreundlichen Energiequellen an der Energiebedarfsdeckung erhöhen, sondern gleichzeitig auch weniger Energie verbrauchen. Dazu setzen wir auch auf nachhaltige Mobilität und einen bewussteren Umgang mit Ressourcen“, so LR Zumtobel.

Der größte Teil des Energieverbrauchs entfiel im Jahr 2024 auf den Gebäudesektor mit 45 Prozent, rund ein Drittel entfiel auf die Mobilität, 21,4 Prozent auf die Produktion. Maßnahmen in den Bereichen Bauen und Sanieren sowie nachhaltige Mobilitätsangebote zeigen bereits Wirkung. So hatten Ende 2025 bereits rund 195.800 Menschen in Tirol eine Dauerkarte für den öffentlichen Verkehr, das sind 12,8 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Auch die Umstellung aller Busse des VVT auf umweltfreundliche Antriebsarten schreitet weiter voran. „Klimafreundliche Heizsysteme und thermische Sanierungen von Haus und Wohnung, werden weiterhin mit erhöhten Förderungen der Tiroler Wohnbauförderung unterstützt. Zudem kann auch im Alltag Energie gespart werden“, ist LR Zumtobel überzeugt.

Dass der eingeschlagene Weg wirkt, zeigt ein Blick auf die langfristige Entwicklung des Energieverbrauchs: Seit 2005 ist der Endenergieeinsatz – also jene Menge an Energie, die durch Endkunden bezogen wird – um sechs Prozent gesunken und das, obwohl die Bevölkerung um zwölf Prozent gewachsen ist.

Erneuerbare erhöhen Wertschöpfung und Versorgungssicherheit

Dass die 60-Prozent-Marke geknackt wurde, liegt auch am zügigen Ausbau von Photovoltaik (PV). Allein im Jahr 2024 wurden rund 780.000 Quadratmeter PV-Modulfläche errichtet. Die installierte Leistung wurde damit auf rund 550 Megawatt-Peak erhöht, was einem Zuwachs von fast 160 Megawatt-Peak im Vergleich zum Jahr 2023 entspricht. Mit allen netzgekoppelten PV-Anlagen in Tirol kann über ein Jahr betrachtet derzeit so viel Strom erzeugt werden, wie rund 150.200 Haushalte durchschnittlich pro Jahr benötigen. Im Jahr 2023 waren es noch 118.100 Haushalte. Neben zahlreichen privaten Anlagen gewinnen auch größere PV-Projekte sowie Energiegemeinschaften zunehmend an Bedeutung: Bereits rund 1.400 Energiegemeinschaften und gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen teilen in Tirol gemeinsam erzeugten Strom und stärken damit die regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit.

Einen wichtigen Beitrag leistet dabei auch der verstärkte Einsatz von Stromspeichern. Mit der Landesförderung für die Nachrüstung bestehender PV-Anlagen und die Erweiterung von Speichern setzt das Land Tirol gezielt Anreize für mehr Eigenverbrauch und eine Entlastung der Stromnetze. Stromspeicher ermöglichen es, selbst erzeugten Sonnenstrom zeitlich flexibel zu nutzen, erhöhen den Eigenversorgungsgrad und machen erneuerbare Energie noch wirksamer für eine stabile, regionale Energieversorgung. Weitere Infos dazu finden sich in der Pressemeldung vom 30. Dezember 2025.

Auch die Wasserkraft leistete 2024 einen maßgeblichen Beitrag zum Anstieg der erneuerbaren Energieerzeugung. Mit einem Plus von 1.279 Gigawattstunden im Vergleich zu 2023 verzeichnete sie die größte Steigerung unter den erneuerbaren Energiequellen und unterstreicht ihre Rolle als Rückgrat der Tiroler Energieversorgung.

20 Prozent weniger Fossile

Parallel zum Ausbau erneuerbarer Energien ist der Einsatz fossiler Energieträger in Tirol deutlich gesunken. „Diese Entwicklung reduziert nicht nur die Abhängigkeit von Importen, sondern stärkt auch die regionale Wertschöpfung und die Versorgungssicherheit in Tirol“, betont LHStv Geisler. Besonders stark zurückgegangen ist der Ölverbrauch, der seit 2005 um rund ein Drittel gesunken ist. Der Kohleverbrauch sank im gleichen Zeitraum um etwas mehr als zehn Prozent. Der Erdgasverbrauch lag 2024 zwar noch deutlich über dem Wert von 2005, jedoch zeigt sich seit 2021 eine deutlich rückläufige Tendenz im Absatz. In Summe lag der Einsatz von Öl, Kohle und Erdgas im Jahr 2024 um knapp 20 Prozent unter dem Wert des Jahres 2005.

„Tirol hat in den vergangenen Jahren viel erreicht, gleichzeitig ist der Weg noch nicht zu Ende“, sind sich LHStv Geisler und LR Zumtobel einig. Entscheidend sei nun, den eingeschlagenen Kurs konsequent fortzusetzen und den Ausbau erneuerbarer Energie ebenso wie Maßnahmen zur Energieeinsparung und Effizienzsteigerung weiterhin gemeinsam voranzutreiben.

Quelle: Land Tirol

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