vonRedaktion Salzburg
MÄRZ 20, 2026
Foto: Land Salzburg/Neumayr/Leopold
Salzburgs Jugendliche: reflektiert, positiv, mit dem Wunsch nach Sicherheit / 3.769 nahmen an Befragung teil
(LK) Junge Menschen aus dem Bundesland Salzburg haben für den fünften Salzburger Jugendreport ihre Sicht auf Leben, Alltag und Zukunft geteilt. Die Ergebnisse zeigen eine reflektierte Generation, die sich Sicherheit, soziale Beziehungen und Mitbestimmung wünscht.
LHF-Stv. Marlene Svazek präsentiert mit Marietta Oberrauch (Geschäftsführerin akzente Salzburg) und Projektleiterin Daniela Wallinger die Ergebnisse des Jugendreports 2025.
Der Salzburger Jugendreport 2025 macht sichtbar, was junge Menschen im Bundesland Salzburg bewegt. Zwischen Oktober 2025 und Jänner 2026 nahmen 3.769 Jugendliche im Alter von 12 bis 20 Jahren aus allen Bezirken Salzburgs an der anonymen Online-Befragung teil. Gemeinsam mit den Erhebungen seit 2020 basiert die Berichtsreihe mittlerweile auf den Rückmeldungen von knapp 13.000 Jugendlichen und zeichnet damit ein zunehmend differenziertes Bild jugendlicher Lebensrealitäten im Bundesland.
Svazek: „Jugendliches Gespür für Veränderung.“
Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek betont die große Bedeutung des Jugendreports für die politische Arbeit. „Junge Menschen haben oft sehr feine Sensoren für Entwicklungen und Stimmungen in unserer Gesellschaft. Dieses Gespür fehlt den Erwachsenen manchmal. Gerade deshalb sind die Informationen und Erkenntnisse aus dem Jugendreport für uns so wertvoll. Sie geben uns einen direkten Einblick in die Lebensrealität, Wünsche und Hoffnungen der jungen Salzburgerinnen und Salzburger und helfen uns, unsere Jugendarbeit gezielt weiterzuentwickeln“, so Svazek.
Erstmals abgefragt: KI-Nutzung und empfundene Meinungsfreiheit
Erstmals beim Jugendreport abgefragt wurden 2025 die Themen Nutzung von KI sowie Meinungsfreiheit. Dabei zeigt sich, dass auf Anhieb rund 12 Prozent der Jugendlichen KI-Chatbots als „Ansprechpersonen“ bei persönlichen Problemen und Sorgen angeben – nur knapp hinter Psychologen und Psychotherapeuten. Gleichzeitig wird künstliche Intelligenz bereits von 21 Prozent als Sorgenthema genannt. Auf die ebenfalls neue Frage, ob Jugendliche das Gefühl haben, ihre Meinung auch dann frei äußern zu können, wenn sie nicht ihrem sozialen Umfeld entspricht, fallen die Antworten gemischt aus: In der Familie und im Freundeskreis wird dies überwiegend bejaht, in der Schule jedoch lediglich von 50 Prozent. Für Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek wirft dieses Ergebnis Fragen auf: „Wenn gegenwärtig über den massiven Ausbau von politischer Bildung an den Schulen diskutiert wird, braucht es parallel auch ein Bekenntnis dazu, die Meinungsfreiheit von Jugendlichen zu respektieren und sie nicht weltanschaulich zu missionieren.“
Optimistisch mit dem Wunsch nach Stabilität
Der Jugendreport beleuchtet zentrale Themen wie Bildung, Gesundheit, Demokratie, Sicherheit, Zugehörigkeit, Mobilität, Freizeit, Konsumverhalten und Lebensperspektiven. Dabei wird deutlich: Viele Jugendliche blicken grundsätzlich positiv in die Zukunft, doch dieser Optimismus ist selten unbeschwert. Bildungschancen, finanzielle Sicherheit, psychische Stabilität, soziale Zugehörigkeit und realistische Zukunftsperspektiven spielen eine entscheidende Rolle dafür, ob Zukunft als offen und gestaltbar erlebt wird oder von Unsicherheit geprägt ist.
Ein sicheres, gutes Leben
Die Ergebnisse zeigen klar, dass Jugendliche kein außergewöhnliches Leben anstreben, sondern vor allem ein gutes, sicheres und beziehungsreiches Leben. Familie, Freundschaften und stabile soziale Netze sind dabei zentrale Schutzfaktoren. Gerade in einer von Krisen, Unsicherheiten und gesellschaftlichen Spannungen geprägten Zeit bleiben Beziehungen ein wichtiger Anker. Trotz negativer Wahrnehmungen globaler Entwicklungen sind viele Jugendliche in ihren Werten und Haltungen bemerkenswert stabil und positiv orientiert.
Reflektiert, zufrieden, aber auch Sorgen
Projektleiterin Daniela Wallinger beschreibt diese Ambivalenz so: „Der Jugendreport zeigt eine Generation, die sehr reflektiert auf ihre Lebensrealität blickt. Viele Jugendliche sind grundsätzlich zufrieden, gleichzeitig spüren sie deutlich mehr Druck, Sorgen und den Wunsch nach innerer Stabilität.“ Auffällig ist, dass mentale Belastung, Stress, Leistungsdruck, Schlafmangel, Zukunftsängste und Sorgen über globale Krisen für viele Jugendliche zum Alltag gehören.
Echte Beziehungen zählen
Zugleich macht der Report deutlich, wie wichtig reale soziale Beziehungen trotz digitaler Lebenswelten geblieben sind. Wallinger sagt dazu: „Trotz Social Media, WhatsApp und TikTok oder Snapchat bleibt das Wichtigste für Jugendliche der persönliche Kontakt. Freundschaften und soziale Beziehungen sind der zentrale Anker im Alltag.“
Psychische Belastung und Mobbing
Ein weiteres zentrales Thema ist Mobbing, das für die Mehrheit der Salzburger Jugendlichen präsent ist: Viele beobachten Mobbing, einige sind selbst betroffen. Mädchen berichten häufiger von Unsicherheit, Diskriminierungserfahrungen und mentaler Belastung. Lehrlinge, ältere Jugendliche und einzelne Regionen weisen erhöhte Risiken bei Alkohol-, Nikotin- oder Substanzkonsum auf. Diese Unterschiede machen deutlich, dass Belastungen und Entwicklungschancen ungleich verteilt sind und gezielte Maßnahmen brauchen.
Wohlfühlfaktoren: Mobilität und Mitgestaltung
Der Report zeigt außerdem, dass Lebensqualität für Jugendliche stark vom unmittelbaren Umfeld abhängt. Gewünscht werden funktionierende Mobilität, leistbare Freizeitmöglichkeiten, sichere öffentliche Räume, soziale Treffpunkte und echte Mitgestaltungsmöglichkeiten in der Gemeinde. Gerade diese alltagsnahen Erwartungen machen deutlich, wie eng Wohlbefinden, Zugehörigkeit und konkrete Lebensbedingungen miteinander verbunden sind.
Ernst gemeinte Beteiligung
Der Salzburger Jugendreport 2025 ist damit weit mehr als eine Datensammlung. Er gibt Jugendlichen eine Stimme, macht Entwicklungen sichtbar und liefert eine belastbare Grundlage für Politik, Verwaltung und Jugendarbeit. Die zentrale Botschaft ist klar: Junge Menschen wollen Verantwortung für ihr Leben übernehmen. Damit das gelingt, brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen, soziale Sicherheit, ernst gemeinte Beteiligung und Erwachsene, die zuhören und handeln.
Quelle: Land Salzburg