Österreich: Auszeichnung

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Auszeichnung / Buchpreis Familienroman ehrt österreichische Autorin für ihr Buch über einen Jungen mit ADHS
Foto: Paul Zsolnay Verlag
28 Sep 19:00 2026 von OTS Print This Article

Buchpreis Familienroman ehrt österreichische Autorin für ihr Buch über einen Jungen mit ADHS (FOTO)

Der Buchpreis Familienroman 2026 der Stiftung Ravensburger Verlag geht an Birgit Birnbacher für ihren Roman "Sie wollen uns erzählen". Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Junge, bei dem ADHS diagnostiziert wurde. Die in Salzburg lebende Autorin bekommt die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung am 23. November 2026 in Berlin überreicht. An dem Festakt verleiht die Stiftung auch eine zweite Würdigung, den Leuchtturmpreis Ehrenamt. Diese zeichnet die Initiative Eulen & Lerchen aus Dortmund aus, die sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzt.

Birgit Birnbacher zählt zu den herausragenden deutschsprachigen Erzählerinnen der Gegenwart. Die 1985 geborene Österreicherin studierte Soziologie und Sozialwissenschaften, arbeitete zunächst als Sozialarbeiterin und begann in dieser Zeit ihre literarische Tätigkeit. Inzwischen lebt sie als freiberufliche Schriftstellerin mit ihrer Familie in Salzburg. Das im Wiener Zsolnay-Verlag erschienene Buch "Sie wollen uns erzählen" ist ihr vierter Roman. Birgit Birnbacher erhielt mehrere Förderpreise und den Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung; 2019 gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis. Der nun von der Stiftung Ravensburger Verlag ausgezeichnete Roman steht auch auf der Longlist für den Österreichischen Buchpreis 2026.

Der Roman "Sie wollen uns erzählen"

Das Buch schildert eine komplexe Familienkonstellation: Sowohl der zehnjährige Oz als auch seine Mutter haben eine ADHS-Diagnose. Der Junge ist anders als andere Kinder, und im Kopf der Mutter tost es auch unentwegt. Jedoch vertraut sie auf die Fähigkeiten des Kindes und fördert sein soziales Bewusstsein. Am letzten Schultag vor den Ferien kommt es zu einem Vorfall an der Schule, für den der Junge verantwortlich gemacht wird. Auf dem Heimweg quält ihn die Furcht, dass er der Mutter nun den Schuldbrief der Lehrerin präsentieren muss, dabei sollte sein überraschend erfreuliches Zeugnis diesen Tag überstrahlen. Weil er sich eine kleine Katastrophe zur Ablenkung wünscht und weil ein solches Ereignis durch das Verschwinden der Großmutter tatsächlich passiert, vertieft sich sein Kummer noch. Im Verlauf der rasant erzählten Geschichte machen sich Oz, seine Mutter und deren Schwester auf die Suche und erfahren eine für sie bis dahin ungewohnte Form der Gemeinschaft.

Begründung der Preisvergabe

Birgit Birnbacher verfasste einen empathischen, literarisch intensiven Roman, der den Begriff der Familie als Solidargemeinschaft ernstnimmt, ja neu definiert, und zugleich auf ein aktuelles sozial- und bildungspolitisches Thema verweist. Die Geschichte führt vor, dass unangepasstes Denken und Verhalten aufgrund einer besonderen psychischen Disposition nicht nur als Defizit zu betrachten ist, sondern auch Chancen eröffnet und dem Menschen mit "normalen" seelischen Voraussetzungen einen Spiegel vorhält. Der Roman endet mit einem lichten Blick in die Zukunft: Mag in der Welt und in den Köpfen der Menschen Chaos herrschen, so gibt es doch "hier etwas zu tun". Dieser letzte Satz bezieht sich nicht nur auf die Handlungsebene, sondern umfasst auch das Erzählen selbst als wertvoll, als erhellende Chance im Dickicht des alltäglichen Erlebens in gleich welcher psychischen Veranlagung.

Auszeichnung für familienbezogenen Text

Der zum 16. Mal verliehene Buchpreis Familienroman der Stiftung Ravensburger Verlag ehrt jährlich den Autor oder die Autorin einer deutschsprachigen Publikation erzählender Prosa (Roman, Erzählung, Anthologie, Autobiografie, autofiktionaler Text). Die Preissumme von 15.000 Euro erhält ein Schriftsteller oder eine Schriftstellerin, "der oder die mit literarischen Stilmitteln ein zeitgenössisches Bild der Familie zeichnet".

Fachleute aus Literaturkritik und Buchhandel beraten die Stiftung bei der Auswahl des Buchpreises Familienroman. Im Jahr 2026 waren dies der Literaturkritiker und die Literaturkritikerinnen Cornelia Geißler (Berliner Zeitung), Sandra Kegel (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Christoph Schröder (SWR, Die Zeit), die österreichische Literaturbloggerin und Romanautorin Mareike Fallwickl, der Buchhändler Michael Riethmüller (Buchhandlung RavensBuch/Osiander) und federführend die Journalistin und Buchautorin Andrea Reidt.

Verleihung zweier Auszeichnungen im November in Berlin

Die Preisverleihung findet am 23. November 2026 in der Berliner Landesvertretung Baden-Württemberg statt. Die Laudatio auf den Buchpreis Familienroman hält Literaturkritikerin Cornelia Geißler. Bei dem Festakt wird auch die zweite Auszeichnung der Stiftung Ravensburger Verlag überreicht: Der ebenfalls mit 15.000 Euro dotierte "Leuchtturmpreis Ehrenamt 2026 für vorbildliches Engagement im Sektor familiäre, institutionelle oder ehrenamtliche Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen" geht an Eulen & Lerchen. Diese Initiative des Mütterzentrums Dortmund e. V. schließt die Lücke zwischen Schichtdienst der Eltern und den Öffnungszeiten von Schulbetreuung oder Kita.


Quelle: OTS



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