Bauen in Tirol – einfach, sicher und effizient
Tirol setzt auf Entrümpelung der Bauvorschriften
- Wöchentliches Update „Vereinfachung & Entbürokratisierung“
- Tirol geht mit Reduktion der Bauvorschriften sowie Vereinfachung von Normen im Wohnbau mit gutem Beispiel voran
- 15 Punkte für konkrete Erleichterungen beim Bauen
- Ziel: Verfahren vereinfachen und dadurch laufende Kosten senken
Tirol setzt beim Bauen neue Maßstäbe: Mit konkreten Erleichterungen und weniger Bürokratie sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, Wohnraum künftig noch einfacher und schneller umzusetzen. Noch heuer sollen im Zuge des Tirol Konvents Gesetzesänderungen in 15 Punkten beschlossen werden. Die Tiroler Landesregierung beauftragt die zuständigen Dienststellen des Landes mit der weiteren Vereinfachung und Entbürokratisierung der geltenden bau- und raumordnungsrechtlichen Regelungen sowie mit der Ausarbeitung der dafür erforderlichen Rechtsgrundlagen. Tirol will damit eine Vorreiterrolle bei der Vereinfachung des Bauens einnehmen.
„Bundesweit gibt es rund 50.000 Normen und baurechtliche Vorschriften. Die Bürokratie hat den Wohnbau fest im Griff. Gerade Normen sollen Kosten reduzieren und nicht Mehrkosten verursachen. Ich habe daher eine Diskussion über die Vereinfachung des Bauens angestoßen. Es braucht zwei konkrete Hebel: Erstens, muss der Bund die Normungsinstitute wieder zu ihrer eigentlichen Arbeit zwingen, nämlich das Bauen effizienter und kostengünstiger zu machen. Zweitens geben wir jetzt den Auftrag, die Hausaufgaben in Tirol zu erledigen und die geltenden baurechtlichen Vorschriften zu entrümpeln. Jetzt gehen wir in Tirol selbst mit gutem Beispiel voran. Es geht darum, Verfahren einfacher und schneller zu machen und unnötige bürokratische Hürden abzubauen – und das ohne Abstriche bei Sicherheit und Qualität“, erklärt LH Anton Mattle.
Laufende Kosten durch Ausdehnung der Prüfintervalle senken
Von der Verlängerung von Prüffristen bei Heizungs- und Klimaanlagen über die Reduktion der Stellplatzverpflichtung bei Mitarbeiterwohnhäusern bis hin zur Erweiterung der Ausnahmen bei der Bewilligungspflicht bei Grundstücksänderungen: 15 konkrete Punkte umfasst die Initiative „Bauen in Tirol – einfach, sicher und effizient“. Dadurch sollen Verfahren vereinfacht und Prüfintervalle ausgedehnt und somit laufende Kosten gesenkt werden.
Ein Beispiel sind Sonnenschutzeinrichtungen: Diese sollen künftig grundsätzlich als untergeordnete Bauteile gelten. Dadurch können bauliche Maßnahmen gegen sommerliche Überwärmung einfacher umgesetzt werden. Auch die thermische Sanierung von Gebäuden, die ab 1998 gebaut wurden, wird erleichtert: Wird nachträglich ein Vollwärmeschutz angebracht, kann dieser um zehn Zentimeter mehr als bisher betragen.
Erleichterungen sind auch bei der Barrierefreiheit vorgesehen: Derzeit ist bei einem Gebäude, das nachträglich zu einer Wohnanlage umgebaut wird, die Barrierefreiheit für das gesamte Gebäude zu gewährleisten, was mit hohen Baukosten verbunden ist. Künftig ist die Barrierefreiheit bei solchen Gebäuden etwa für die im Erdgeschoss befindlichen Wohnungen zu gewährleisten.
Einsparungspotenzial gibt es bei Prüfintervallen: Bei Aufzugs- und Hebeanlagen in Wohnhäusern mit bis zu drei Wohnungen sollen die Prüfintervalle von derzeit einem auf zwei Jahre verlängert werden. Außerdem sollen durch Erleichterungen bei der Anwendung des Notrufsystems der Verwaltungsaufwand als auch die Kosten für die BürgerInnen im laufenden Betrieb spürbar reduziert werden.
Ziel: Unnötige bürokratische Hürden beseitigen
„Wenn wir Wohnraum schaffen und Wohnen in Tirol leistbarer machen wollen, müssen wir auch die Rahmenbedingungen für die Errichtung verbessern. Dazu gehören nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch einfache Verfahren, klare Vorgaben und weniger Bürokratie. Aufbauend auf bereits beschlossenen Initiativen wie ‚Daheim in Tirol: Grundbedürfnis Wohnen sichern‘ setzen wir nun einen weiteren konkreten Schritt in Richtung Deregulierung und Verfahrensvereinfachung. Unser Ziel ist es, Wohnbau zusätzlich zu den Maßnahmen der Tiroler Wohnbauförderung zu erleichtern“, betont LHStv Philip Wohlgemuth.
Bestehende Regelungen sollen auf das notwendige Maß reduziert und praxistaugliche Rahmenbedingungen für BauwerberInnen, Gemeinden und PlanerInnen geschaffen werden, wie LHStv Josef Geisler erläutert: „Raum- und Bauordnung schaffen den Rahmen dafür, wo und unter welchen Voraussetzungen gebaut werden kann. Umso wichtiger ist es, dass diese Rahmenbedingungen klar, nachvollziehbar und praxistauglich sind und laufend angepasst werden. Wir wollen deshalb genau hinschauen, wo Verfahren vereinfacht, bürokratische Hürden beseitigt werden und Kosten gesenkt werden können. Entbürokratisierung bedeutet dabei nicht weniger Qualität und Sicherheit, sondern mehr Effizienz.“
Factbox: 15 Punkte für konkrete Erleichterungen beim Bauen
- Entfall der Auflage von Entwürfen von Raumordnungsprogrammen in den Gemeinden
- Erweiterung der Ausnahmen vom Erfordernis der einheitlichen Bauplatzwidmung
- Erweiterung der Ausnahmen bei der Bewilligungspflicht bei Grundstücksänderungen
- Erweiterung des Ausnahmekatalogs vom Geltungsbereich der Tiroler Bauordnung
- Weitere Erleichterungen betreffend brandschutztechnische Sachverständige
- Erweiterung des Katalogs der untergeordneten Bauteile
- Erweiterung von Ausnahmetatbeständen
- Erweiterung der Möglichkeiten und Ausnahmen bei Bauausführung
- Berücksichtigung von entsprechenden Toleranzen nach dem Stand der Technik in einschlägigen Regelwerken bei der Beurteilung der rechtmäßigen Ausführung von Vorhaben
- Erweiterung der Ausnahmeregelungen für nachträgliche thermische Sanierungen
- Erleichterungen bei Anforderungen an die Barrierefreiheit
- Verlängerung von Prüffristen bei technischen Anlagen (z.B. Aufzugs- und Hebeanlagen sowie Heizungs- und Klimaanlagen)
- Erleichterungen bei Notrufeinrichtungen in Aufzugs- und Hebeanlagen
- Reduktion der Stellplatzverpflichtung bei Mitarbeiterwohnhäusern
- Erstellung von Leitfäden zur vereinfachten Umsetzung von Vorschriften
Lkw-Dosierungen für das erste Quartal 2027
Seit 2018 dosiert Tirol am Grenzübergang Kufstein regelmäßig den Lkw-Verkehr, um im Landesinneren die Verkehrssicherheit und den Verkehrsfluss bestmöglich zu gewährleisten. Diese Maßnahme hat sich bewährt und wurde zuletzt auch vom Generalanwalt des EugH nicht angezweifelt. An insgesamt elf verkehrskritischen Tagen wird die Lkw-Dosierung bei Kufstein Nord im ersten Quartal 2027 wieder planmäßig in den frühen Morgenstunden aktiviert. Die Auswahl dieser Tage erfolgt auf Grundlage einer fachlichen Analyse von VerkehrsexpertInnen. Diese orientiert sich an der bewährten Methodik und berücksichtigt Verkehrsprognosen, Polizeiberichte, Erfahrungswerte sowie Verkehrszahlen der Vorjahre. Dabei werden jene Tage identifiziert, an denen in der Früh mit hohem Lkw-Aufkommen auf der A 12 Inntalautobahn bei Kufstein zu rechnen ist und dies mit erhöhtem Kfz-Verkehr auf der A 12 Inntal Autobahn und A 13 Brenner Autobahn zusammentrifft. Die geplanten Dosierungen wurden bereits an Stakeholder im In- und Ausland übermittelt.
„Die Belastungsgrenze für Mensch, Natur und Infrastruktur durch den Transitverkehr ist längst erreicht und Tirol wehrt sich mit seinen Notmaßnahmen dagegen. Zentral ist dabei die Lkw-Dosierung, die an besonders verkehrsstarken Tagen die Verkehrs- und Versorgungssicherheit bestmöglich sicherstellt. Es geht darum, den Pkw-Verkehr und Lkw-Verkehr zu entflechten“, sagt LH Anton Mattle. Verkehrslandesrat René Zumtobel ergänzt: „Die geplanten Dosierungen bauen auf den vorliegenden Erfahrungswerten der Vergangenheit auf und sind auch auf das Baustellenmanagement der ASFINAG im Hinblick auf die Arbeiten an der Luegbrücke abgestimmt. Die Dosierung wird von der Polizei jeweils nur so lange aufrechterhalten, wie es die Verkehrssituation am Korridor erfordert – meist sind das nur wenige Stunden. Im vergangenen Jahr wurde die Lkw-Dosierung durchschnittlich viereinhalb Stunden durchgeführt. Genau diese Stunden machen an besonders verkehrsreichen Tagen für die Aufrechterhaltung der Verkehrs- und Versorgungssicherheit am Brennerkorridor den Unterschied.“
Die Veröffentlichung der weiteren Tage mit Lkw-Dosierung für das gesamte Jahr 2027 erfolgt zusammen mit dem Lueg-Fahrkalender der ASFINAG voraussichtlich im November diesen Jahres. Darin werden die einzelnen Maßnahmen und Fahrverbotstage im Zusammenhang mit der Luegbrücke bekannt gegeben und übersichtlich dargestellt.
Die konkreten Dosiertage finden sich in der Beilage.
Kurzmeldungen aus der Regierungssitzung
Rechnungsabschluss bestätigt Tirols konsequenten Finanzkurs, Tirol hält zweitbestes Rating: Der Rechnungsabschluss 2025, der in der heutigen Regierungssitzung beschlossen wurde, bestätigt den konsequenten Finanzkurs Tirols: Das Maastricht-Ergebnis fiel um rund 130 Millionen Euro besser aus als geplant, der Ergebnishaushalt ist mit rund 130 Millionen Euro positiv (6,19 Milliarden Euro an Erträgen stehen 6,06 Milliarden Euro an Aufwänden gegenüber) und auch die liquiden Mittel entwickelten sich deutlich besser als veranschlagt. Gleichzeitig hat Tirol (Land und Gemeinden) die geringste Pro-Kopf-Verschuldung Österreichs. Finanzreferent LH Anton Mattle erklärt dazu: „Tirol setzt seinen konsequenten Finanzkurs fort und will den nächsten Generationen keinen Schuldenberg hinterlassen. Wir sind das erste Bundesland mit einem Budget ohne neue Schulden, das Maastricht-Ergebnis fällt besser aus als gedacht und der Rechnungsabschluss gibt uns recht. Wir können uns durch harte Arbeit, strenge Finanzvorgaben und die Unterstützung aller Regierungsmitglieder als finanzieller Musterschüler in Österreich behaupten. Wir sind noch nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg.“ Das Land Tirol hat mit diesem Rechungsabschluss bewiesen, die Ziele des Stabilitätspaketes einhalten zu können. Bestätigt wird dieser Kurs auch von S&P Global: Die internationale Ratingagentur hält am Spitzenrating AA+ für Tirol fest und würdigt insbesondere die Konsolidierungsmaßnahmen sowie die konservative Budgetpolitik des Landes.
Ausbau von Tagespflegeplätzen in Reutte: Die Tiroler Landesregierung hat heute zudem den Ausbau des Tagespflegeangebots in Reutte beschlossen. Im Seniorenzentrum Reutte sollen die bestehenden Räumlichkeiten mit 24 Tagespflegeplätzen generalsaniert und ein neuer Tagespflegebereich mit insgesamt zwölf Plätzen geschaffen werden, um die wohnortnahe Betreuung für ältere Menschen weiter zu verbessern. Dafür stellt das Land Tirol eine Förderung in Höhe von 540.000 Euro zur Verfügung. „Unser Ziel ist es, den Tirolerinnen und Tirolern so lange wie möglich ein qualitätsvolles Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Mit Angeboten wie der Tagespflege investieren wir in eine zukunftsorientierte Pflege, sichern die Lebensqualität der Betroffenen und können die pflegenden Angehörigen spürbar entlasten“, betont LH Anton Mattle. Im Rahmen des Strukturplans Pflege 2023-2033 investiert das Land Tirol vorrangig in den Ausbau von teilstationären Pflegeangeboten wie die Tagespflege und das Betreute Wohnen. „Der Strukturplan Pflege bildet die Basis für die weitere Entwicklung der Pflege in Tirol. Dabei werden nicht nur die aktuelle Versorgungslage und die Personalsituation berücksichtigt, sondern auch die wachsende Bedeutung alternativer Pflegeformen. Mit dem Ausbau der Tagespflege in Reutte schaffen wir eine wohnortnahe, flexible und bedarfsgerechte Unterstützung für pflegebedürftige Menschen direkt vor Ort“, so Pflegelandesrätin Cornelia Hagele.
Landwirtschafts- und Landarbeiterkammerwahlen 2027 – Wahlausschreibung beschlossen: Die Tiroler Landesregierung hat in der heutigen Regierungssitzung die Ausschreibung der Wahlen zur Vollversammlung der Landwirtschaftskammer, zur Vollversammlung der Landarbeiterkammer sowie zu den Vorständen der Bezirkslandwirtschaftskammern für 23. Februar 2027 beschlossen. Die Kundmachung der Wahlausschreibung erfolgt am 7. September 2026. Agrarreferent LHStv Josef Geisler: „Die Landwirtschafts- und Landarbeiterkammerwahlen sind ein wichtiges demokratisches Instrument für unsere Landwirtinnen und -wirte sowie unsere Landarbeiterinnen und Landarbeiter. Hier wird entschieden, wer ihre Interessen in den kommenden Jahren vertritt und die Zukunft der Tiroler Land- und Forstwirtschaft mitgestaltet."
Landespreis für Wissenschaft 2026: Diese mit 14.000 Euro dotierte höchste wissenschaftliche Auszeichnung des Landes Tirol erhält in diesem Jahr Universitätsprofessor Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Streicher, Leiter des Instituts für Konstruktion und Materialwissenschaften und der Abteilung für Energieeffizientes Bauen an der Universität Innsbruck. Die Jury würdigt damit seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Energieeffizienz und der nachhaltigen Gebäudetechnik. „Die Energiewende ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben unseres Landes. Tirol hat das Potential, sich selbst mit sauberer, günstiger und heimisch erzeugter Energie zu versorgen und Energie auch zu speichern. Unser Ziel ist klar: Tirol soll bis 2050 energieautonom werden. Dafür brauchen wir verlässliche, evidenzbasierte Grundlagen, die uns zeigen, welche Maßnahmen notwendig und wirksam sind. Professor Streicher hat die Tiroler Energieszenarien maßgeblich mitentwickelt und leistet mit seiner Forschung einen wesentlichen Beitrag dazu, dass wir die richtigen Entscheidungen treffen und die Energiewende in Tirol erfolgreich umsetzen können. Seine Arbeit zeigt, wie Wissenschaft konkrete Orientierung für die Zukunft unseres Landes gibt. In Anerkennung seiner herausragenden Forschungsleistungen wurde Wolfgang Streicher von der Jury einstimmig für den Tiroler Landespreis für Wissenschaft 2026 nominiert“, erklärt LH Anton Mattle. Auch Wissenschaftslandesrätin Cornelia Hagele betont: „Professor Streicher kann auf eine beeindruckende akademische Erfolgsbilanz verweisen und trägt mit seiner Forschung entscheidend zur internationalen Reputation der Universität Innsbruck im Bereich des energieeffizienten Bauens bei.“ Der mit 4.000 Euro dotierte Förderungspreis des Landes Tirol für Wissenschaft 2026 geht auf Vorschlag von Professor Streicher an den Nachwuchswissenschaftler Dipl.-Ing. Simon Beck, Universitätsassistent am Arbeitsbereich Energieeffizientes Bauen der Universität Innsbruck. Der Tiroler Landespreis für Wissenschaft wird seit 1984 jährlich zur Anerkennung herausragender wissenschaftlicher Leistungen vergeben. Die offizielle Preisverleihung findet am 12. Oktober 2026 im Landhaus statt.
Quelle: Land Tirol
