Österreich: Bildungsklima-Index zu Elementarpädagogik - Handlungsbedarf bei Personalmangel und Gruppengrößen

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Bildungsklima-Index zu Elementarpädagogik
Foto: pixabay
23 Jän 18:00 2026 von OTS Print This Article

Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen großteils zufrieden mit Rahmenbedingungen und Bildung im Kindergarten – Mängel bei Personal, Gruppengrößen und Wertschätzung

Der MEGA Bildungsklima-Index misst seit 2021 regelmäßig die Zufriedenheit mit dem heimischen Bildungssystem, durchgeführt vom MEGA Bildungsverein. Dieser Index ist mittlerweile ein wesentliches Messinstrument für die Entwicklung des österreichischen Bildungssektors. Zusätzlich zu dieser umfassenden Studie, deren Ergebnisse bereits im Sommer 2025 präsentiert wurden (siehe OTS0103), veröffentlicht der MEGA Bildungsverein anlässlich des kommenden Tages der Elementarpädagogik (24. Jänner) die aktuellsten Ergebnisse für den Bereich Kindergärten.

Befragt wurden über 600 Personen (317 Eltern, 293 Kindergarten-Pa?dagoginnen und Pädagogen, -Leiterinnen und -Leiter, -Assistentinnen und -Assistenten) aus ganz Österreich. Sie vergaben Schulnoten für Teilbereiche der Elementarpädagogik: Gemeinschaft und Rahmenbedingungen/Infrastruktur in Kindergärten, Vermittlung von Fähigkeiten an die Kinder, Arbeitsumfeld für Pädagoginnen und Pädagogen und Wertschätzung für das Berufsbild in der Gesellschaft. Zusätzlich reihten sie notwendige Verbesserungen nach Priorität. Die Detailergebnisse befinden sich am Ende dieser Aussendung.

Zufriedenheit mit Rahmenbedingungen und Infrastruktur

Die 2025 erhobenen Daten zeigen hohe Zufriedenheit mit der österreichischen Elementarpädagogik in vielen Bereichen. So vergab über die Hälfte aller Befragten ein „sehr gut“ oder „gut“ für die allgemeinen Rahmenbedingungen und Infrastruktur in Kindergärten.

Besonders positiv bewerteten beispielsweise Eltern das Klima und die Freude der Kinder am Kindergartenbesuch (88 % „sehr gut“ oder „gut“), die Ausstattung mit Spielsachen und Beschäftigungsmaterialien (85 % „sehr gut“ oder „gut“) und den Umgang mit Kindern unterschiedlicher Herkunft oder nicht-deutscher Muttersprache (84 % „sehr gut“ oder „gut“). Bei Pädagoginnen und Pädagogen zeigt sich in diesen Punkten ein ähnliches Bild. Insgesamt ist die Zufriedenheit mit diesen Rahmenbedingungen seit 2022 leicht gestiegen.

Pädagogische Arbeit gut bewertet – aber Eltern positiver als Fachkräfte

Auch mit der pädagogischen Arbeit und der Vermittlung von Fähigkeiten sind beide Gruppen großteils zufrieden. Der Vergleich zur letzten Erhebung 2022 liefert allerdings einen bemerkenswerten Trend: Bei Eltern ist die Zufriedenheit mit der Arbeit der Pädagoginnen und Pädagogen tendenziell gestiegen, bei den Fachkräften selbst eher gesunken.

Ein Beispiel dafür ist die „Vermittlung von Alltagshandlungen wie Ordnung halten, Händewaschen oder Essen“: Hier stieg der Anteil an „sehr gut“ von Eltern um vier Prozentpunkte auf 58 Prozent, bei Pädagoginnen und Pädagogen sank er um fünf Prozentpunkte auf 55 Prozent.

Diese gegenläufige Entwicklung zeigt sich auch bei „kreativen Tätigkeiten wie Malen oder Basteln“ oder „freiem und selbstständigem Spielen“. Allerdings ist die Grundzufriedenheit auch bei Pädagoginnen und Pädagogen hoch, wie die Eltern vergeben sie bei all ihren Arbeitsfeldern zu über 50 Prozent „sehr gut“ oder „gut“.

Dazu sagt Lisa-Maria Sommer-Fein, Vorständin des MEGA Bildungsvereins: „Diese Ergebnisse zeigen klar, dass die Eltern weiterhin großes Vertrauen in die Elementarpädagogik setzen, in einigen Bereichen ist die Zufriedenheit sogar noch gestiegen. Deutlich wird aber auch, was die Pädagoginnen und Pädagogen benötigen, um ihre wichtige Arbeit gut fortführen zu können. Vor allem braucht es mehr Personal, kleinere Gruppen und mehr Unterstützung durch Coachings."

Handlungsbedarf bei Gruppengrößen und Personalmangel

Dringenden Verbesserungsbedarf sehen die Pädagoginnen und Pädagogen beim Personalmangel und der Größe von Kindergruppen, diese Punkte wurden in einer offenen Frage am häufigsten genannt. Das gaben auch die Eltern an und reihten passend dazu die individuelle Betreuung für die Kinder als Top-Priorität (gleichauf mit organisatorischen und bürokratischen Anliegen).

Außerdem wünscht sich ein großer Teil der pädagogischen Fachkräfte mehr persönliche Unterstützung durch Coaching und Supervision. Ein möglicher Zusammenhang besteht mit Herausforderungen durch die soziale und psychische Situation der Kinder: Über die Hälfte der Pädagoginnen und Pädagogen gibt an, dass diese sie bei ihrer Arbeit stark beeinflusst.

Zudem vermissen die befragten Pädagoginnen und Pädagogen weiterhin Wertschätzung. Nur sechs Prozent der befragten pädagogischen Fachkräfte stimmen zu, dass „die meisten Menschen ihren Beitrag für die Gesellschaft anerkennen“. Fast die Hälfte (47 %) erlebt das kaum bis gar nicht.

Pädagoginnen und Pädagogen verdienen die höchste Anerkennung für ihre unschätzbar wertvolle Rolle im Leben junger Menschen. Wir müssen diesen Beruf wieder attraktiv machen. Was dafür notwendig ist, wissen die Fachkräfte selbst am besten. Darum investiert der MEGA Bildungsverein in diese regelmäßige Befragung und in die umfassende Analyse der Daten. Mit dieser Evidenzbasis können jetzt die richtigen Schritte gesetzt werden“, so Sommer-Fein.

Detailergebnisse der Studie „Bildungsklima-Index Kinderga?rten 2026“

Sample: 610 Interviews (317 Eltern, 293 Kindergarten-Pa?dagoginnen und Pädagogen, -Leiterinnen und -Leiter, -Assistentinnen und -Assistenten, März bis Mai 2025)

Allgemeine Rahmenbedingungen und Gemeinschaft im Kindergarten: Breite Zufriedenheit

Über 50 Prozent der Befragten bewerten die allgemeinen Rahmenbedingungen und die Infrastruktur in Österreichs Kindergärten mit „sehr gut“ oder „gut“. Besonders viele Eltern vergaben ein „sehr gut“ oder „gut“ bei „Allgemeines Klima, wie gern das Kind in den Kindergarten geht“ (85 %), „Ausstattung mit Spielsachen und Bescha?ftigungsmaterial“ (85 %) und „Umgang mit Kindern unterschiedlicher Herkunft oder nicht-deutscher Muttersprache“ (84 %).

Auffällig ist eine leichte Verbesserung bei jenem Faktor, mit dem Eltern 2022 und 2025 am wenigsten zufrieden waren: „Betreuungsmöglichkeiten in den Ferien und an anderen Schließtagen“ erhielt diesmal von 45 Prozent ein „sehr gut“, 2022 waren es 39 Prozent, und der Anteil an „befriedigend“ bis „nicht genügend“ sank von 33 auf 30 Prozent.

Auch die befragten Pädagoginnen und Pädagogen gaben zum Großteil „sehr gut“ und „gut“ für das allgemeine Klima im Kindergarten (92 %) und den Umgang mit Kindern unterschiedlicher Herkunft (83 %). Etwas unzufriedener als die Eltern sind sie mit der Ausstattung, besonders mit Räumlichkeiten und Möbeln: 38 Prozent vergeben hier ein „befriedigend“ bis „nicht genügend“ (Eltern: 23 %) und 51 Prozent sehen hier dringenden Handlungsbedarf (Rang 1 oder 2 in einer Reihungsfrage). Gleich danach folgen „Verbesserungen zur Betreuung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen“ (49 %).

Pädagogische Arbeit: Gute Noten für Vermittlung von Kreativität, Alltagshandlungen und selbstständigem Spielen

Die befragten Eltern sind im Schnitt zufrieden mit der Arbeit der Pädagoginnen und Pädagogen bei der Vermittlung von Kompetenzen. Die meisten „sehr gut“ vergaben sie für die Vermittlung von freiem und selbstständigem Spielen (63 %) kreativen Fähigkeiten (60 %) und Alltagshandlungen wie Ordnung halten oder Händewaschen (58 %).

Auch Pädagoginnen und Pädagogen sehen hier ihre größten Stärken, allerdings zeigt sich beim Vergleich mit 2022 ein leicht gegenläufiger Trend zu den Eltern. Bei der Vermittlung von freiem und selbstständigem Spielen gaben sich die Pädagoginnen und Pädagogen zu 60 Prozent ein „sehr gut“, um vier Prozentpunkte weniger als 2022, unter den Eltern waren es acht Prozentpunkte mehr.

Für die Vermittlung von Alltagshandlungen vergaben die Fachkräfte zu 55 Prozent ein „sehr gut“, um fünf Prozentpunkte weniger als 2022, Eltern vergaben um vier Prozentpunkte mehr. Und bei „kreative Tätigkeiten“ sank der Anteil an „sehr gut“ von Pädagoginnen und Pädagogen um drei Prozentpunkte auf 53 Prozent, unter Eltern stieg er gleichzeitig um sieben Punkte.

Arbeitsbedingungen von Pädagoginnen und Pädagogen: Handlungsbedarf bei Coaching, Fachpersonal und Gruppengrößen

Pädagoginnen und Pädagogen schätzen besonders das gute Arbeitsklima (73 % „sehr gut“ oder „gut“) und die Kommunikation im Team und mit der Leitung (71 % „sehr gut“ oder „gut“). Geringere Zufriedenheit zeigen sie bei der Ausstattung, besonders IT-Technik (38 % „genügend“ oder „nicht genügend“) und Schreibtischen für Administrations- und Vorbereitungsarbeiten (42 % „genügend“ oder „nicht genügend“).

Den größten Verbesserungsbedarf im Arbeitsumfeld sehen die befragten Pädagoginnen und Pädagogen bei Coachings, Beratungen und Supervision. Diese Formen der persönlichen Unterstützung wurden von 38 Prozent auf Platz 1 oder 2 der dringendsten Handlungsfelder gereiht, nur 19 Prozent vergeben hier ein „sehr gut“. Und: Über die Hälfte der Pädagoginnen und Pädagogen gibt an, dass die psychische und soziale Situation der Kinder sie bei ihrer Arbeit stark beeinflusst.

Bei einer offenen Frage nach allgemeinem Handlungsbedarf in der Elementarpädagogik nannten jeweils 27 Prozent kleinere Gruppen und mehr Fachpersonal. Passend zu Letzterem sollen mögliche zusätzliche Budgetmittel am ehesten für neue Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter eingesetzt werden, und die wahrgenommene Nützlichkeit von weiteren Pädagoginnen und Pädagogen stieg von 59 auf 66 Prozentpunkte (zusammengezählt: „voll und ganz“ plus „eher“).

Dieselbe offene Frage nach Verbesserungen in der Elementarpädagogik wurde auch Eltern gestellt. Am häufigsten genannt wurden bürokratische und organisatorische Anliegen. Die anderen Prioritäten waren dieselben und hängen zusammen: kleinere Gruppen, mehr Personal und individuellere Förderung der Kinder.

Fehlende Wertschätzung für Pädagoginnen und Pädagogen

Weiterhin erleben Pädagoginnen und Pädagogen geringe Wertschätzung für ihre Arbeit und ihre Rolle in der Gesellschaft: Nur sechs Prozent stimmen zu, dass „die meisten Menschen ihren Beitrag fu?r die Gesellschaft anerkennen“, fast die Hälfte (47 %) sieht das kaum bis gar nicht.

Die Ergebnisse des Bildungsklima-Index 2025, der das gesamte heimische Bildungssystem inklusive Schulen abbildet, sind hier einsehbar.

Über den österreichischen Bildungsklima-Index (BKI)

Der BKI wurde 2021 durch die MEGA Bildungsstiftung initiiert und seit 2025 vom neuen, gemeinnützigen MEGA Bildungsverein gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut „Triple M“ umgesetzt. Die österreichweite Erhebung findet alle zwei Jahre statt. Ziel ist die ganzheitliche Messung der Zufriedenheit mit dem Bildungssystem (organisatorische Rahmenbedingungen, Infrastruktur, Unterrichtsqualität, Verbesserungsbedarf) in Österreich. Die Erhebung ist damit eine wichtige Ergänzung zu den PISA-Studien, die sich auf den internationalen Vergleich von Leistungen der Schülerinnen und Schüler konzentrieren. Weiters können mit dem vorhandenen Datenmaterial Detailauswertungen und Vergleiche zwischen Bundesländern und verschiedenen Schultypen erstellt werden.

Über den MEGA Bildungsverein

Der MEGA Bildungsverein wurde 2025 von der B&C Privatstiftung, der Berndorf Privatstiftung und der MEGA Bildungsstiftung gegründet mit dem Ziel, innovative Bildungsprojekte und Bildungsinnovation in Österreich zu fördern. Bildung ist der Schlüssel für ein gelingendes Leben. Der MEGA Bildungsverein unterstützt schulische und außerschulische Leuchtturm-Initiativen beim Wachsen.


Quelle: OTS



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