Österreich: Erinnern, Gedenken, Verantwortung tragen - Neuer Gedenkort am Landesklinikum Mauer
Foto: NLK/Burchhart
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Am 2. Oktober 2026 wurde am Gelände des Landesklinikums Mauer ein neuer Gedenkort eröffnet, der an die Opfer der NS-Medizinverbrechen in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling erinnert.
Das heutige Landesklinikum Mauer blickt auf eine lange Geschichte zurück. Ein dunkles Kapitel stellen die Geschehnisse während der Zeit des Nationalsozialismus dar. Nach heutigem Forschungsstand wurden 2.848 Patientinnen und Patienten der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling Opfer der NS-Medizinverbrechen. Der neue Gedenkort gibt ihren Schicksalen dauerhaft Raum und macht zugleich einen historisch belasteten Bereich des Klinikgeländes sichtbar. Mit dem Gedenkort in jenem Bereich, der 1944 aufgrund der NS-Medizinverbrechen und der Überbelegung des regulären Anstaltsfriedhofs als zusätzlicher Friedhof genutzt wurde, wird dieser Teil der Geschichte bewusst sichtbar gemacht.
„Das Landesklinikum Mauer ist nicht nur ein Ort moderner psychiatrischer Versorgung, sondern auch ein Standort mit einer Geschichte, der wir uns bewusst stellen. Der neue Gedenkort schafft einen würdevollen Rahmen, um an die Opfer zu erinnern und Verantwortung dafür zu übernehmen, dass ihre Schicksale nicht in Vergessenheit geraten“, betont Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.
„Als NÖ Landesgesundheitsagentur tragen wir Verantwortung für die Gesundheitsversorgung der Gegenwart und Zukunft, zugleich aber auch für einen bewussten Umgang mit der Geschichte unserer Standorte. Der neue Gedenkort in Mauer hält die Erinnerung an jene Menschen wach, denen während der Zeit des Nationalsozialismus unermessliches Leid zugefügt wurde. Ihr Schicksal ist für uns Mahnung und Auftrag, die Würde jedes einzelnen Menschen stets in den Mittelpunkt zu stellen“, betonen die beiden Vorstände der NÖ LGA Elisabeth Bräutigam und Bernhard Kadlec.
Konzipiert wurde der Gedenkort von der Künstlerin und Architekturhistorikerin Azra Akšamija. Die Mauer verbindet unterschiedliche Materialien, die symbolisch für die verschiedenen Sterbeorte der Opfer stehen und deren Erinnerung am Standort bewahren. Entlang der abschließenden Mauer erinnern 2.848 Metallplättchen mit persönlichen Daten wie Geburts- und Sterbedatum an die einzelnen Menschen und ermöglichen ein individuelles Gedenken.
„Gedenken bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und sich mit den dunkelsten Kapiteln unserer Geschichte bewusst auseinanderzusetzen. Dieser Ort gibt den Opfern und ihren individuellen Schicksalen dauerhaft Raum, um die Erinnerungen wachzuhalten. Zugleich erinnert er uns daran, wie wesentlich der Schutz von Menschenwürde und Menschenrechten für unsere Gesellschaft ist“, erklärt Mathias Vogl, Leiter der Sektion III – Recht im Bundesministerium für Inneres.
Die gemeinsame Veranstaltung am 2. Oktober rückte nicht nur den neuen Gedenkort, sondern auch die bewusste Auseinandersetzung mit der Geschichte des Standortes in den Mittelpunkt. Das Landesklinikum Mauer, das Land Niederösterreich und die Niederösterreichische Landesausstellung 2026 setzten damit gemeinsam ein Zeichen des Erinnerns und gegen das Vergessen.
Quelle: OTS
