Glücksspielreform 2026 bringt Sperrregister und neue Verlustlimits
Seit November 2025 verhandeln die Koalitionspartner SPÖ, ÖVP und NEOS den Entwurf für das neue österreichische Glücksspielgesetz. Geplant ist, dass das Gesetz im ersten Halbjahr 2026 in Kraft tritt, doch der genaue Zeitpunkt hängt vom Ablauf der parlamentarischen Behandlung ab. Mit der Reform setzt der Gesetzgeber auf liberale Wettbewerbsregeln für landbasierte und Online-Glücksspielmärkte und zum Schutz von Spielern. Die Hauptpunkte der Schutzmaßnahmen im Gesetz sind ein bundesweites Sperrregister, altersgestaffelte Verlustlimits und eine unabhängige Behörde.
Wie sich Spieler bislang im Online-Markt orientieren
Bis das neue System in Kraft tritt, herrscht Marktordnung wie bisher. C-A-Geschäftsführer Erwin van Lambaart schätzte im März 2026, dass es rund 2.000 Anbieter aus dem Ausland gibt, die zwar international lizenziert sind, aber keine österreichische Aufsicht haben. In Malta und Gibraltar beheimatete Plattformen bedienen den österreichischen Markt, ohne hierzulande reguliert zu sein. Dementsprechend ist die Kanalisierungsrate, sprich der Anteil der Spieler, die ins geregelte Angebot wechseln, laut einer Marktanalyse von Branchenradar zum Teil sehr gering. Im Vergleich liegt sie jedoch in Ländern, die wie Dänemark mehrere Lizenzmodelle führen, deutlich höher.
Bevor künftige Spieler Sperrung und Aufsicht in Anspruch nehmen, orientieren sie sich an öffentlich zugänglichen Hinweisen. Verifizierung, Einzahlungslimits und Dokumentationen von Zertifizierungen, wie der Responsible Gaming Standard der World Lottery Association sind in der Regel schon vor der Registrierung für ein Spiel einzusehen.
Wer Anbieter strukturiert vergleichen will, findet eine hohe Auszahlungsquote auf Casino.org und anderen transparenten iGaming-Vergleichsportalen oft als zentrales Ranking-Kriterium aufgeführt, ergänzt um Lizenzangaben, Auszahlungsdauer und unabhängige Bewertungen. Die geplante Novelle soll solche Selbsterkundungen künftig stützen, ohne sie von heute auf morgen zu ersetzen.
Bundesweites Sperrregister nach deutschem Vorbild
Kernpunkt der neuen Schutzarchitektur ist ein zentrales Sperrregister, das anbieter- und spielformübergreifend funktionieren soll. Wer sich sperren lässt oder durch auffälliges Spielverhalten ins Register gerät, kann nicht mehr einfach zu einem anderen lizenzierten Anbieter wechseln. Auch die Trennung zwischen Online- und terrestrischem Glücksspiel verliert ihre Funktion als Schlupfloch.
Vorbild ist das deutsche OASIS-System, das seit 2021 bundesweit eingesetzt wird. Selbstsperren über mehrere Jahre sind dort möglich, ebenso Sperren auf Antrag Dritter, etwa von Angehörigen. Wie schnell die österreichische Datenbank in Betrieb gehen kann, hängt vom Aufbau der neuen Aufsichtsbehörde und ihrer technischen Anbindung an die Anbieter ab.
Verlustlimit von 1.680 Euro pro Monat ab 26
Der seit Dezember 2025 in Abstimmung befindliche Entwurfsstand sieht bei den Verlustlimits eine altersgestaffelte Regelung vor:
- Bis zur Vollendung des 26. Lebensjahres maximal 250 Euro pro Woche
- Ab 26 Jahren maximal 1.680 Euro pro Monat
- Ergänzend Spieldauer-Begrenzungen und einheitliche Standards online wie terrestrisch
Die Limits sind die juristische Antwort auf das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs vom 14. Dezember 2022. Die Höchstrichter hatten Teile der Spielerschutzbestimmungen aufgehoben, weil das damals bestehende Maximalbetrag-Modell aus ihrer Sicht den Schutz nicht gewährleistete. Schon nach einem Monat hätte ein durchschnittlich verdienender Staatsbürger bei voller Ausschöpfung des Limits in einen existenzbedrohenden Bereich geraten können, hieß es in der Begründung.
Wie weit diese Schwelle reicht, zeigt die Verschuldungsdimension der GÖG-Auswertung. Die durchschnittliche Verschuldung von Personen in Behandlung liegt bei 28.000 Euro. Oliver Scheibenbogen vom Wiener Anton-Proksch-Institut sagte gegenüber Ö1, Betroffene gerieten durch die Schuldenlast in einen „existenziell bedrohlichen" Zustand, der von Depressionen bis zu Suizidversuchen reichen könne.
Neue Behörde löst das Finanzministerium als Aufsicht ab
Strukturell verschiebt die Reform die Aufsicht. Bislang liegen sowohl die Konzessionsvergabe als auch die laufende Kontrolle beim Finanzministerium, eine Konstellation, die seit Jahren als Interessenkonflikt kritisiert wird. Künftig übernimmt eine eigene Glücksspielaufsichtsbehörde diese Aufgaben.
Für den Vollzug gegen unlizenzierte Anbieter sieht der Entwurf zwei Werkzeuge vor. Internetprovider sollen verpflichtet werden, den Zugang zu illegalen Glücksspielseiten von österreichischen IP-Adressen aus zu blockieren. Das Amt für Betrugsbekämpfung erhält die Befugnis, Zahlungen an entsprechende Anbieter über ein Payment-Blocking-System zu unterbinden. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu einer Million Euro. Diskutiert werden zudem verdeckte Testspiele durch die Behörde.
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) erklärte zur Linie des Entwurfs, im Online-Glücksspiel würden erstmals einheitliche Spielerschutzstandards implementiert. Wie wirkungsvoll IP- und Payment-Blocking gegen technisch versierte Umgehungen sind, ist umstritten. Marktbeobachter wie Andreas Kreutzer von Branchenradar geben zu bedenken, dass DNS- und Payment-Blocking in keiner westlichen Demokratie den illegalen Markt vollständig zurückgedrängt hätten.
Das parlamentarische Verfahren läuft. Sollte der Zeitplan halten, könnte das Gesetz noch vor dem Sommer beschlossen werden. Die bestehenden Konzessionen für die Österreichischen Lotterien und das Online-Glücksspiel laufen am 30. September 2027 aus, jene für die sechs Casino-Standorte in Wien, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck und Bregenz am 31. Dezember 2027. Aktuelle Informationen zu Konzessionsvergabe und Spielerschutz stellt das Bundesministerium für Finanzen bereit, Suchtberatung bietet die Spielsuchthilfe.
Was verändert die Reform für Spieler und Markt tatsächlich?
Die geplante Glücksspielreform markiert keinen bloßen Verwaltungsumbau, sondern einen strukturellen Wendepunkt für Österreichs gesamten Glücksspielsektor. Entscheidend wird sein, ob Sperrregister, Verlustlimits und neue Aufsicht nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern technisch lückenlos greifen. Besonders die Kanalisierung legaler Angebote dürfte zur Schlüsselfrage werden: Nur wenn lizenzierte Plattformen attraktiv, sicher und wettbewerbsfähig bleiben, lässt sich der Schwarzmarkt wirksam eindämmen. Erfahrungen aus Dänemark und Deutschland zeigen, dass Regulierung allein illegale Anbieter nicht automatisch verdrängt. Für Spieler bedeutet 2026 daher vor allem mehr Schutzmechanismen, aber auch stärkere Kontrolle. Für Anbieter beginnt zugleich ein deutlich strengeres Zeitalter, in dem Transparenz, Compliance und Prävention erstmals zum zentralen Wettbewerbsfaktor werden.
