Tirol: Menschenrechte als gemeinsame Aufgabe
Bei der 18. öffentlichen Sitzung des Tiroler Monitoringausschusses (v. l.): Christine Riegler (Mitglied des Tiroler Monitoringausschusses), Vorsitzende Isolde Kafka, Behindertenanwältin Christine Steger, Harald Huter und Kaspar Modersbacher (beide Mitglieder des Tiroler Monitoringausschusses) sowie Daniela Friedle, stellvertretende Vorsitzende.
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„Jeder Mensch hat das Recht, als gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft gesehen, gehört und respektiert zu werden“, betont Isolde Kafka, Vorsitzende des Tiroler Monitoringausschusses.
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Behindertenanwältin Christine Steger unterstrich in ihrem Vortrag, dass nicht die Behinderung selbst, sondern Barrieren in der Gesellschaft zu Ausgrenzung führen.
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Im Anschluss an die Vorträge wurde an Thementischen weiterdiskutiert.
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Dies ist eine Aussendung des unabhängigen Tiroler Monitoringausschusses
- Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai – „Gleichstellung muss nicht irgendwann, sondern jetzt umgesetzt werden“
- Menschenrechte als Schwerpunktthema: umfassen Barrierefreiheit, Wohnen, Gesundheit, soziale Absicherung und Bildung
- Öffentliche Sitzung des Tiroler Monitoringausschusses in Innsbruck zum Thema Menschenrechte und Menschenwürde
Ob Wohnen, Gesundheit, Bildung, soziale Absicherung oder fehlende Barrierefreiheit – für Menschen mit Behinderungen bestehen weiterhin zahlreiche strukturelle Hürden, die eine gleichberechtigte Teilhabe erschweren. Dabei handelt es sich um zentrale Aspekte der Menschenrechte, die per Gesetz für alle gelten. Menschenrechte und Menschenwürde standen daher im Mittelpunkt der diesjährigen öffentlichen Sitzung des Tiroler Monitoringausschusses, die vergangene Woche im Landhaus in Innsbruck stattfand. Sie bleiben ein zentraler Schwerpunkt, wie im Vorfeld des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai betont wird.
„Der Protesttag am 5. Mai soll daran erinnern, Menschenrechte als gemeinsame Aufgabe zu verstehen: Gleichstellung darf nicht irgendwann erfolgen, sondern muss jetzt umgesetzt werden – in Schulen, in der Gesundheitsversorgung, im Bereich des Wohnens und darüber hinaus. Barrierefreiheit ist dafür die Grundvoraussetzung“, so Vorsitzende Isolde Kafka.
Wo Menschenrechte im Alltag an Grenzen stoßen
Bei der 18. öffentlichen Sitzung des Tiroler Monitoringausschusses waren Interessierte, betroffene Menschen, Angehörige, Fachpersonen sowie politisch Verantwortliche eingeladen, mitzudiskutieren. Dabei ging es um Fragen wie: Was bedeutet Menschenwürde? Warum ist Inklusion eine Frage der Gerechtigkeit und nicht der Wohltätigkeit? Und wie können Staat und Gesellschaft zur Würde aller beitragen?
Kaspar Modersbacher, Mitglied des Tiroler Monitoringausschusses, machte im Rahmen der Sitzung deutlich, wie begrenzte finanzielle Mittel die Teilhabe einschränken können – ihm stehen in einer Einrichtung der Behindertenhilfe nur 305 Euro monatlich zur Verfügung. Betroffene fordern daher eine Anhebung sowie einen Mindestbetrag, damit soziale Absicherung ein Leben in Würde ermöglicht.
Christine Steger, Behindertenanwältin des Bundes, unterstrich in ihrem Vortrag, dass nicht die Behinderung selbst, sondern Barrieren in der Gesellschaft zu Ausgrenzung führen. Angemessene Vorkehrungen seien daher kein Zusatz, sondern ein Recht und eine Voraussetzung für echte Gleichstellung.
Isolde Kafka sprach gemeinsam mit Felicitas Rachinger von der Servicestelle Gleichbehandlung und Antidiskriminierung zur Schulassistenz. Die neue Richtlinie des Landes Tirol wird vom Tiroler Monitoringausschuss begrüßt, zugleich wird jedoch Verbesserungsbedarf etwa bei der Transparenz gesehen – denn nur durch ausreichende Information kann der Monitoringausschuss seiner Kontrollfunktion nachkommen.
Christine Riegler, ebenfalls Mitglied des Tiroler Monitoringausschusses, zeigte in ihrem Vortrag den Unterschied zwischen Integration und Inklusion auf. Anhand persönlicher Erfahrungen machte sie deutlich, dass Barrieren in Gesellschaft und Systemen Menschen mit Behinderungen weiterhin ausschließen und echte Inklusion grundlegende strukturelle Veränderungen erfordert.
Im Anschluss an die Vorträge wurde an Thementischen weiterdiskutiert, unter anderem zu Gesundheit, Selbstbestimmung, Schulassistenz, Menschenwürde und dem Aufwachsen mit Behinderungen.
„Jeder Mensch hat das Recht, als gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft gesehen, gehört und respektiert zu werden. Klar ist: Die Umsetzung von Menschenrechten erfordert weiterhin konsequentes Handeln auf allen Ebenen, damit diese im Alltag wirklich wirksam werden“, so Isolde Kafka.
Quelle: Land Tirol
