Salzburg: Salzburg setzt auf KI bei der Reduzierung von Lebensmittelabfällen
Foto: Land Salzburg/Büro Fürweger
Interreg-Projekt vernetzt Salzburg mit Frankreich, Slowenien, Italien und Deutschland / Praxistest durch die Käserei Woerle
(LK) Lebensmittelabfälle entstehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sei es in privaten Haushalten, in der Gastronomie und Großküchen oder auch bei der Produktion selbst. Beim gemeinsamen Interreg-Projekt CEFoodCycle von Universität und Fachhochschule Salzburg wurden mit Partnern aus Frankreich, Slowenien, Italien und Deutschland digitale Technologien und eine künstliche Intelligenz entwickelt, um die Lebensmittelströme zu analysieren. So kann die Verschwendung gezielt reduziert und die Kreislaufwirtschaft gestärkt werden.
Landesrat Wolfgang Fürweger mit Christine Vallaster (Universität Salzburg), Eva Lienbacher (Fachhochschule Salzburg), Diana Reuter (Leiterin Nachhaltigkeits- und Innovationsmanagement - Woerle) und Referatsleiterin Christina Bauer.
Für die Userinnen und User am Smartphone sind es heute nur wenige Klicks, bis man die gewünschten Informationen zum Interreg-Projekt CEFoodCycle erhält. Die Studierenden und Lehrenden an der Universität Salzburg und der Fachhochschule Puch/Urstein haben drei Jahre in die Forschung und in die Erstellung der Onlineplattform investiert. Im November 2025 wurde das Projekt abgeschlossen und vernetzt seither Akteure entlang der gesamten Lebensmittelkette: Von der Landwirtschaft über Hotellerie und Gastronomie bis zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Die Zusammenarbeit mit Partnern aus unterschiedlichen Ländern und Branchen hat den Wissenstransfer und die Schaffung neuer Lösungen ermöglicht.
Regional und untereinander vernetzt
Christina Bauer, Leiterin des Referates Regionalentwicklung und EU-Regionalpolitik in der Wirtschaftsabteilung des Landes, leitet das Interreg-Alpenraum-Programm, aus dem das Projekt finanziert wurde. „Funktionierende, regionale Kreisläufe bedeuten kürzere Transportwege, effizientere Logistik und eine bessere Nutzung vorhandener Ressourcen. Gerade angesichts der Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen und deren Preisschwankungen sehen wir deutlich, wie wichtig solche Ansätze auch für Salzburg sind: regionale, besser vernetzte und optimierte Lebensmittelsysteme sind nicht nur nachhaltiger, sondern krisenfester und wirtschaftlich stabiler. Es ist wichtig, dass die Universität und die Fachhochschule Salzburg sich für diese Verbesserung engagieren“, so Bauer.
(Lebensmittel)Abfall als wertvolle Ressource
Christine Vallaster von der Universität Salzburg informiert: „Uns war es ein besonders großes Anliegen, die Bevölkerung und Unternehmen zu sensibilisieren, dass Abfall eine wertvolle Ressource ist. Die Plattform soll möglichst niederschwellig Lösungen bei Lebensmittelabfällen in der Produktion anbieten. Ein Beispiel: Ich habe als Bäckerei zehn Kilogramm Brezen. Ich kann sie an einen Sozialmarkt oder eine Tafel spenden oder an einen Landwirt weitergeben, der sie an Schweine verfüttert oder in der Biogasanlage verwertet.“
Fokus auf Umweltkennzahlen
Die digitale Plattform verbindet aber nicht nur Unternehmen mit Konsumentinnen und Konsumenten, sie zeigt auch unterschiedliche Lösungen auf. „Das Ziel ist immer gleich: Entlang der Kreislaufwirtschaftspyramide zeigen wir Unternehmen unterschiedliche Wege auf, um Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Dabei kann man auch sehen, wie viel CO2 oder Wasser man einsparen kann oder um wie viel weniger man Ackerboden bestellen muss. Die Kennzahlen hinsichtlich den Umwelt-Impacts sind eine absolute Neuerung“, führt Christine Vallaster weiter aus.
Spülwasser reduziert Ammoniak-Emissionen
Die Käserei Woerle aus Henndorf hat sich am Projekt CEFoodCycle beteiligt. „Kreislaufwirtschaft ist für uns kein kurzfristiger Trend, sondern ein zentraler Bestandteil einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion. Das Projekt hat uns die Möglichkeit gegeben, gemeinsam mit anderen Partnern innovative Ansätze zu entwickeln, voneinander zu lernen und datenbasierte Entscheidungen zu treffen, etwa durch den Einsatz von KI-gestützten Tools. Durch das Projekt haben wir auch eine eigene Initiative weiterentwickelt, und zwar die Wiederverwertung unseres Spülwassers. Dieses besteht unter anderem aus Milchresten und wird an vier landwirtschaftliche Betriebe in der Region zurückgebracht und in die Güllegrube geschüttet. Die Vermehrung der Milchsäurebakterien, die dadurch angeregt wird, kann die Ammoniak-Emissionen um bis zu 80 Prozent reduzieren“, berichtet die Leiterin des Nachhaltigkeitsmanagements, Diana Reuter.
Fürweger: „Know-how für Salzburg.“
„Es ist uns wichtig, dass sich Salzburger Einrichtungen aktiv an internationalen Interreg-Projekten beteiligen. Salzburg profitiert dadurch von einem intensiven Wissensaustausch und von innovativen Ansätzen, die dazu beitragen, regionale Prozesse nachhaltiger und effizienter zu gestalten. Die in diesem Projekt entwickelten Methoden und Werkzeuge leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, unser Land auf zukünftige Herausforderungen – insbesondere im Hinblick auf Ressourcenknappheit und Umweltbelastungen – strategisch vorzubereiten“, betont Landesrat Wolfgang Fürweger, zuständig für Regionalentwicklung und EU-Regionalpolitik sowie für die Lebensmittelaufsicht im Bundesland.
Lexikon Interreg
Interreg Alpenraum ist ein EU-Förderprogramm zur grenz- und fachüberschreitenden Zusammenarbeit von Partnern aus den Ländern Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Slowenien, Schweiz und Liechtenstein. Es stärkt die nachhaltige Entwicklung der Alpenregion in Bereichen Anpassung an den Klimawandel, Übergang zur Kreislaufwirtschaft, Nutzung der Digitalisierung durch Bürger, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verwaltungen, Schutz und Wiederherstellung von Natur, Biodiversität und grüner Infrastruktur, soziale und technologische Innovationen. Über das Programm werden EU-Gelder aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von 107 Millionen Euro für Projekte im Alpenraum bereitgestellt. Rund 1,4 Millionen Euro sind bisher aus dem Programm nach Salzburg geflossen.
Quelle: Land Salzburg
