Wien: Zeckenstiche müssen fast nie im Spital behandelt werden

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Wien

15 Jul 20:00 2026 von Redaktion Salzburg Print This Article

Infektiologe der Klinik Donaustadt räumt mit den häufigsten Mythen rund um Zecken auf

Rund um Zecken gibt es jede Menge Mythen. Es beginnt schon mit dem Namen: langläufig ist von einem „Zeckenbiss“ die Rede, allerdings sind Zecken Spinnentiere und haben daher keine Beißwerkzeuge. Marton Széll ist Leiter der Infektionsambulanz der Klinik Donaustadt. Der Infektiologe kennt daher die Erkrankungen, die durch einen Zeckenstich auftreten können. Er klärt über die häufigsten Mythen rund um Zecken auf.

Mythos 1: Zecken fallen von Bäumen

Falsch! Man begegnet Zecken vor allem im hohen Gras und im Gebüsch. Beim Vorbeigehen oder Liegen streift man sie ganz einfach ab. Besonders betroffen sind Menschen, die sich viel im Grünen aufhalten, z.B. Menschen mit Hunden, Jogger*innen, Jäger*innen, etc. Lange Hosen können daher schützen. Tipp vom Infektiologen aus der Klinik Donaustadt: „Zeckenabwehrsprays bieten einen zusätzlichen Schutz und funktionieren tatsächlich.“

Mythos 2: Zecken kann man von Haustieren (z.B. Hund, Katze) bekommen

Eher nicht. Die häufigste Zeckenart in Europa, der gemeine Holzbock, bevorzugt Menschen. Hunde können zwar im hohen Gras jede Menge Zecken abstreifen, diese werden jedoch bei Kuscheleinheiten eher nicht auf den Menschen übergehen.

Mythos 3: Eine Zecke muss so schnell wie möglich entfernt werden

Richtig! Trägt eine Zecke das FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) -Virus in sich, werden diese Viren sofort übertragen. Borreliose-Bakterien werden erst nach einer Saugzeit von 12 bis 24 Stunden übertragen. „Ich habe gute Chancen, einer möglichen Borreliose-Infektion zu entkommen, wenn ich am Abend nach einem Tag im Grünen meinen Körper absuche und die Zecke rausziehe“, sagt Marton Széll. Aber Achtung: Die Spinnentiere können sehr schwer zu finden sein. „Die Zecke hat 3 Stadien der Entwicklung: Larven, Nymphen und Erwachsene. Als Larven und Nymphen haben sie einen Durchmesser von 1 bis 2 Millimeter, da muss man sehr genau schauen.“ Besonders beliebt sind warme Körperstellen, an denen die Haut dünner und weicher ist – und wo Zecken ihre Ruhe haben, z.B.: auf der Kopfhaut, in den Pofalten und Kniekehlen sowie unter der Achsel.

Mythos 4: Alle Teile der Zecke müssen entfernt werden, am besten im Spital

Falsch! Ein Großteil der Zeckenstiche führt zu keiner Infektion und muss daher nicht behandelt werden. Die Zecken können zu Hause mit einer Zeckenpinzette herausgezogen werden. Weder das Drehen noch Öl ist dabei hilfreich. Sollte beispielsweise der Kopf dabei abgetrennt werden, kann dieser im Körper bleiben. Diverse Versuche ihn zu entfernen, mit Nadeln o.ä. können zu einem Rotlauf (bakterielle Infektion) führen. Im Körper verbliebene Teile des Zeckens kapseln sich ab oder eitern heraus. „Eine Rötung am nächsten Tag ist eine normale lokale Irritation durch den Speichel der Zecke. Eine Borreliose würde sich üblicherweise erst ab der 2. Woche zeigen. Ein Tipp: Die rote Stelle mit einem Kugelschreiber einkreisen, so kann man den Verlauf im Blick behalten und bei Bedarf zur*zum Allgemeinmediziner*in im niedergelassenen Bereich gehen“, sagt Marton Széll. Erst wenn man 1 bis 2 Wochen nach der Entfernung Fieber und Kopfweh bekommt, sollte man in einer Klinik FSME ausschließen lassen.

Mythos 5: Entfernte Zecken müssen im Labor untersucht werden, um Hinweise auf eine Infektion zu bekommen

Falsch! Das funktioniert nicht, obwohl bis zu 30 % der Zecken Borrelien haben, kommt es nur selten zu einer Übertragung. Die Ergebnisse wären also nicht aussagekräftig im Hinblick auf eine Borreliose-Infektion beim Menschen.

Mythos 6: Man kann sich gegen Krankheiten, die Zecken übertragen, impfen lassen

Teilweise richtig. Gegen FSME hilft die Schutzimpfung. Die Auffrischungsimpfung wird für Erwachsene unter 60 Jahren alle 5 Jahre empfohlen. „Auch um diese Jahreszeit macht eine Auffrischung noch Sinn und sorgt für einen beinahe 100% igen Schutz. Denn Zecken gibt es mittlerweile schon das ganze Jahr über“, so Marton Széll. Ein Tipp vom Infektiologen der Klinik Donaustadt: „Wenn das Enkerl die Grundimmunisierung bei der Kinderärztin bekommt, kann sich der Opa dort gleich eine Auffrischung holen, da die Fächereinschränkung aufgehoben wurde“. Bei Borrelien handelt es sich um Bakterien, daher ist hier Antibiotikum das Mittel der Wahl. „Aktuell wird an einer Impfung gegen Borreliose geforscht, sie ist gerade in den letzten Stadien der Entwicklung und in 2 bis 3 Jahren erwarten wir die Zulassung.“ Bis dahin gilt: Sich gar nicht erst zu infizieren und deshalb wie oben erwähnt Zecken so schnell wie möglich zu entfernen.


Quelle: Stadt Wien



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