Klimawandel als Evolutionsmotor: Warum unsere Erde so grün ist

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Klimawandel als Evolutionsmotor: Warum unsere Erde so grün ist
Foto: NHM Wien
03 Nov 19:00 2026 von OTS Print This Article

Landpflanzen bilden das Fundament des Lebens: Die Energie, die sie aus der Sonne gewinnen, sichert die Existenz fast aller Landtiere, Pilze und Bakterien. Mit rund 400.000 Arten weltweit sind Blütenpflanzen heute die produktivste und vielfältigste Gruppe unter ihnen. Wie genau sie die Erde eroberten, blieb jedoch lange unklar. In der Mitte der Kreidezeit – der Hochphase der Dinosaurier vor rund 100 Millionen Jahren – begannen sie geologisch gesehen plötzlich, ältere Pflanzengruppen zu verdrängen, die zuvor 200 Millionen Jahre lang dominiert hatten.

Ein Team um Hauptautor Dr. Kale Sniderman von der University of Melbourne wertete nun Daten von über 60.000 fossilen Blütenpollen und Sporen aus. Durch modernste statistische Methoden gelang es den Forschenden, Lücken und Verzerrungen im Fossilbericht zu korrigieren und ein genaues Bild der Pflanzenvielfalt der letzten 130 Millionen Jahre zu zeichnen.

Klimatische Extremphasen zerstörten und schufen Vielfalt

Die Ergebnisse zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen globalen Treibhausphasen der Erdgeschichte und evolutionären Umbrüchen. Sowohl das Aussterben als auch die Entstehung neuer Landpflanzen ereigneten sich primär während zweier extrem warmer Intervalle: der mittleren Kreidezeit und dem frühen Känozoikum (Erdneuzeit).

„Jede dieser extrem warmen Umbruchsphasen dauerte einige Millionen Jahre. Das bedeutet, dass die heißesten Treibhausklimate der Erdgeschichte die Pflanzenvielfalt gleichzeitig zerstörten und förderten – allerdings nur über Jahrmillionen hinweg betrachtet“, erklärt Koautor Prof. Greg Jordan von der University of Tasmania. In kühleren Epochen veränderte sich die Pflanzenwelt dagegen kaum. Andere denkbare Ursachen wie biologische Wechselwirkungen oder die geografische Isolierung Australiens nach dem Aufbrechen des Südkontinents Gondwana spielten eine weitaus geringere Rolle als das Klima.

Warnung vor heutiger Erderwärmung

Trotz der historischen Triebkraft für neue Arten sehen die Forschenden die heutige Entwicklung mit großer Sorge. Dr. Chris Mays, Paläontologe am Naturhistorischen Museum Wien (NHM Wien) und Koautor der Studie, betont den fundamentalen Unterschied zur Vergangenheit: „Die aktuelle, vom Menschen verursachte Erderwärmung läuft um ein Vielfaches schneller ab als die Heißzeiten der Kreidezeit oder des frühen Känozoikums. Die Geschwindigkeit der Erwärmung führt weitaus eher zum Aussterben als zur Diversifizierung.“

Weiterführender Link: Originalstudie im Fachmagazin Nature Plants

Wissenschaftlicher Rückfragehinweis

Dr. Chris Mays
Kurator für Paläobotanik, Geologisch-Paläontologische Abteilung
Tel.: +43 1 521 77-539 | [email protected]


Quelle: OTS



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